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Mir scheint, die Vorträge und Diskussionen haben deutlich gemacht, daß man in Holland mit der Verwirklichung des Rehabilitationsprogramms ein gutes Stück weiter ist als wir in der Bundesrepublik. Holland verfügt über eine Psychiatrie, die schon Jahrzehnte vor der unsrigen in Theorie und Praxis psychodynamische und sozialpsychologische Gesichtspunkte einbezogen hat. Auch scheint das soziale Gewissen eines großen Teils der holländischen Bevölkerung sensibler auf die Not der weniger privilegierten Menschen zu reagieren. In der Bundesrepublik sind vor einigen Jahren von seiten des Gesetzgebers die Voraussetzungen für eine Sozialtherapie geschaffen worden. Aber auf diesem Felde gibt es bisher nur sporadische Versuche. Die wichtigsten Gründe für diesen Rückstand scheinen mir die folgenden zu sein: Wer sich öffentlich für eine Gruppe von Menschen einsetzt, die gesellschaftlich geächtet sind, weil sie unfähig sind, die Normen, die wir in unserem Zusammenleben akzeptieren, zu erfüllen, macht sich unbeliebt und muß es sich gefallen lassen, danach gefragt zu werden, warum er das eigentlich tut. Wir alle haben es nötig, Grenzen zwischen uns und denen, die das Verbotene, Böse getan haben, aufzurichten. Das dient dem eigenen seelischen Schutz. Diese psychische Abwehrhaltung macht unsere Empathie und unser soziales Verantwor-tungsgefühl kraftlos. In der Geschichte der Medizin hat es eines langen Kampfes bedurft, um den Widerstand gegen die angemessene Behandlung der Tuberkulose zu überwinden. Heute kämpfen unsere psychiatrischen Kollegen noch immer für eine angemessene Versorgung der chronisch Kranken, die in unserer Leistungsgesellschaft keinen Aktivposten darstellen. Warum sollte nun so viel Geld für Menschen ausgegeben werden, die ihresgleichen Schaden zugefügt haben; warum soll man auch ihnen helfen, wo doch vielleicht jede Hilfe vergeblich ist. Zu diesen sozial-psychologischen Schwierigkeiten kommt ein gravierendes institutionelles Versäumnis: Der Beschluß des Gesetzgebers, s