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Sexismus bedeutet — als analoge Schöpfung zum Rassismus — Diskriminierung und Unterdrückung der Frau auf Grund ihres biologischen Geschlechts. Vom Sexismus in der Psychiatrie und Psychotherapie handelt Phyllis Cheslers Buch. Sowohl hinsichtlich der Grundlagen wie der Fragestellungen und Standpunkte, die die Autorin einnimmt, schöpft sie aus den unterschiedlichsten Quellen. Für eine europäische Psychologin ist es einigermaßen verwirrend, daß die Autorin sich nebeneinander als Psychologin, Anarchistin, Feministin, Forscherin, Liebhaberin von Poesie und Mythos, etc. bezeichnet.
Dieses Buch hätte jetzt in der Bundesrepublik nicht geschrieben werden können — sagt im Vorwort zur deutschen Ausgabe Alice Schwarzer. Ich bin mit ihr dieser Ansicht, teile jedoch nicht ihre Begründungen, wonach das „deutsche Frauenbewußtsein“ noch nicht so kritisch sei wie das der Frauen in den USA. Ich bin nicht der Meinung, daß die Unterschiede in den jeweiligen Frauenbewegungen durch die Annahme einer quasi universellen Vorreiterrolle der USA (von der Weltraumtechnologie bis zur Frauenfrage) erklärt werden können. Dagegen spricht die unterschiedliche soziale Rolle der Frau in den USA, wie etwa auch der sog. „Momism“, diese Mischung aus subtilem, eindringlichem Terror und Apfelkuchen, zu der die US-Amerikanerin ihre Zuflucht nahm, um nicht gänzlich vom „American way of life“, dem „rugged individualism“, der letzten Endes nichts anderes ist als ein „rauher männlicher Imperialismus“, überrollt zu werden.
Einen weiteren Grund dafür, warum dieses Buch in den USA geschrieben wurde, sehe ich in der nur dort möglichen, unkomplizierten Übernahme der interaktionistischen Paradigmata durch eine wissenschaftliche Autorin, die sich zur sozial- und gesellschaftskritischen Linken zählt. In bezug auf ihre Hauptthese, daß in unseren westlichen Gesellschaften die Frauen aus bestimmten Gründen von den Männern (die die Definitionsmacht besitzen) als Wahnsinnige bezeichnet werden, ist Chesler unzweifelhaft und sta