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Einer Anekdote zufolge saß James Joyce in Zürich mit Hermann Broch und Dr. Daniel Brody, dem Verleger des deutschen „Ulysses“ und Brochs Verleger, zusammen. Joyce beklagte sich über den mangelnden Fortschritt, den seine Tochter Lucia in der therapeutischen Behandlung bei Carl Gustav Jung
machte. Darauf Broch: „Kein Wunder. Übersetzen Sie nur den Anfang Ihres Namens.“ Das war weniger ein Wortspiel in der Art von Freuds „Traumdeutung“ und „Witz“ als eine hommage à Joyce und dessen Sprachilluminationen. Wenn diese Anekdote auch nicht wahr ist, so ist sie doch gut erfunden: Jung hat selbst zu Buch gegeben, daß er über dem „Ulysses“ in Tiefschlaf verfallen ist, freilich nicht ohne am Ende auszurufen: „Du sagst nichts und verrätst nichts, o Ulysses, aber du wirkst!“
Broch selbst, der in „Ulysses“ „ein vollkommenes Realisat dessen“ sah, „was im Roman überhaupt ausdrückbar ist“, hatte schon 1936 geschrieben: „Wenn sechzehn Lebensstunden auf 1200 Seiten beschrieben werden, das ist 75 Seiten pro Stunde, mehr als eine Seite für jede Minute, wenn außerdem die natürlichen Bedürfnisse des Menschen genau festgehalten werden, so könnte man meinen, daß das Wesen dieses Buches eine grandiose Registrierung wäre. Dieser Naturalismus ist vorhanden, er ist sogar mit aller Intensität vorhanden und ist keineswegs, wie viele meinen, aufs Psychologische und auch nicht auf den für Joyce eigentümlichen inneren Monolog beschränkt, sondern er umfaßt alle naturalistischen Methoden von Zola bis Dostojewski und noch weit darüber hinaus.“
Inzwischen haben sich drei Generationen von Kritikern mit „Ulysses“ befaßt und die erstaunliche Koinzidenz von Freuds und Joyces Einsichten festgestellt. Joyces „Sammlung von Epiphanien“, sagt Mark Shechner, „die ungebundenen Seiten, auf denen er solche Offenbarungen zwischen 1900 und 1904 aufzeichnete, erforschen zwei sehr Freudsche Typen des Wesentlichen (‚quidditas‘): diejenige, die sich in Träumen enthüllt, und diejenige, die sich in der Psychopathologie des Al