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Es handelt sich um die Neuauflage eines 1925 erstmals erschienenen Buches, in dem Schilder den Versuch unternimmt, „den Umriß einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Basis zu geben“. In welchem Lichte erscheint diese Pioniertat aus den zwanziger Jahren heute? Zunächst muß man sich den damaligen Stand der psychoanalytischen Theorie vergegenwärtigen. Die für die psychoanalytische Ich-Psychologie grundlegende Arbeit Freuds „Das Ich und das Es“ erschien 1923, d. h. nur zwei Jahre vor Schilders Publikation. Die Arbeiten von Hartmann, Kris, Loewenstein u. a. lagen noch in weiter Ferne. Um so bemerkenswerter ist, daß Schilder sich konsequent darum bemüht hat, psychiatrische Erkrankungen in erster Linie unter ich-psychologischen Aspekten zu verstehen. Er hat schon damals erkannt, daß dies ein besonders erfolgversprechender Zugang zu diesen Erkrankungen ist. Dabei nimmt er Entwicklungen der psychoanalytischen Theorie vorweg, die erst Jahre später von anderen ausformuliert wurden. Dazu zwei Beispiele: Schilder stellt in den Mittelpunkt seiner Ichpsychologie ein kompliziert zusammengesetztes Ideal-Ich, an dem er u. a. eine horizontale und vertikale Gliederung unterscheidet. Diesen verschiedenen Ideal-Ichen sind qualitativ verschiedene Formen von Verdrängung zugeordnet. Es wird deutlich, daß damit — allerdings in einer Terminologie, die sich nicht durchgesetzt hat — die später vor allem von A. Freud entwickelte Konzeption verschiedener Abwehrmechanismen und deren hierarchische Schichtung vorweggenommen wurde, die für das psychoanalytische Verständnis der Psychosen von Bedeutung ist.
Ebenfalls im Begriff des bei Schilder wohl allzu umfassend konzipierten Ideal-Ichs enthalten sind die auch erst später theoretisch differenzierten verschiedenen Ichfunktionen, die bei psychiatrischen Erkrankungen in besonderer Weise gestört sind.
Bei der Lektüre des Schilderschen Buches ist man also gezwungen, sich zunächst in einer etwas fremd anmutenden Terminologie zurechtzufinden. Dies betrifft z