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Der Mensch steht im Konflikt mit seiner Kultur und seiner Gesellschaft; dies ist eine Grundannahme der Psychoanalyse, die in jahrzehntelanger therapeutischer Erfahrung immer wieder bestätigt worden ist. Das triebbestimmte Es jedes Menschen sucht seine Lust und steht auf Kriegsfuß mit den Forderungen der näheren und weiteren menschlichen Gemeinschaft, denn jede Bindung gewährt zwar Sicherheit, fordert aber auch Triebverzicht. Bei den neurotischen Erkrankungen, die wir behandeln, sind diese Konflikte verinnerlicht. Ziel des psychoanalytischen Prozesses muß es sein, bessere, vernünftigere Lösungen dieser Konflikte zu finden. Sie müssen im psychoanalytischen Dialog noch einmal ausgetragen werden; darum ist es unabdingbar, daß die Wünsche des Es, seien sie auch inzesthaft und mörderisch, chaotisch und rebellisch, ohne Furcht vor Vergeltung durch die Gesellschaft in Worte gefaßt werden. Die freie Assoziation ist nicht frei, wenn sich die Partner dieses Dialogs in der psychoanalytischen Beziehung nicht sicher aufgehoben wissen.
Warum muß das noch einmal gesagt werden? Ist das psychoanalytische Gespräch nicht mindestens so wie das Arztgeheimnis geschützt? Grundsätzlich ja; dennoch ist dieser Schutz gefährdet. Sicher leben wir in einem der im Weltmaßstab wenigen Länder, die ihren Bürgern verfassungsmäßige Rechte garantieren. In jüngster Zeit mußten Mitglieder der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung bei südamerikanischen Regierungen intervenieren, um Kollegen zu helfen, die in Verdacht geraten waren, zur politischen Opposition zu gehören. Bei der grausamen Skrupellosigkeit der meisten Diktaturen ist das Patientengeheimnis nicht geschützt. Wer könnte von sich sagen, er würde der Folter, der Gehirnwäsche widerstehen? Es liegt auf der Hand, daß unter solcher Bedrohung die freie psychoanalytische Kommunikation behindert und der Psychoanalytiker als Vertrauter seiner Patienten gefährdet ist. Unbedingter Schutz der Vertraulichkeit therapeutischer Gespräche ist die unverzi