You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Psychoanalyse und die Allgemeinmedizin verdanken Michael Balint viel. Mögen auch die Analytiker bei der Nennung des Namens Balint in erster Linie an seine Theorie der „primären Liebe“ und der „Grundstörung“ denken und die Allgemeinmediziner an die sich inzwischen weiter Verbreitung erfreuenden Balintgruppen, so besteht doch sein historisches Verdienst darin, daß er als Analytiker erstmals auf sehr originelle Weise die Arzt-Patient-Interaktion systematisch zu untersuchen begann, indem er mit motivierten Allgemeinärzten sogenannte „Training-cum-Research“ -Gruppen bildete. Der wissenschaftliche Ertrag seiner sich über zwei Dezennien erstreckenden Untersuchungen ist, abgesehen von vielen Einzelpublikationen, in drei Büchern niedergelegt, die jeweils einen Abschnitt seines Forschens markieren.
ln dem ersten Buch dieser Reihe — „Der Arzt, sein Patient und die Krankheit“ (Stuttgart 1957) — werden die grundlegenden Probleme der Arzt-Patient-Interaktion in der ärztlichen Praxis erörtert. Hier weist Balint darauf hin, wie wichtig es für den Allgemeinarzt ist, sich für die emotionalen Probleme seiner Patienten, für „lange Aussprachen“ Zeit zu nehmen. Da diese langen, 45-60 Minuten dauernden Aussprachen aber von den Allgemeinärzten meist als Fremdkörper in ihren Sprechstunden empfunden werden, richteten sich die Forschungsintentionen bald darauf, diese Zeit zu verkürzen. Der Ertrag dieser Forschungen ist in dem Buch über die „Fokaltherapie“ (Frankfurt 1973), das M. Balint gemeinsam mit P. H. Ornstein und E. Balint herausgegeben hat, niedergelegt. Die Konzentration auf den „fokalen Konflikt“ der Patienten brachte zwar eine Verkürzung der Zahl der Therapiestunden mit sich, doch wurde die einzelne Therapiestunde im Sprechstundenablauf des Arztes für Allgemeinmedizin immer noch als ein Fremdkörper empfunden, auch dann, wenn sie etwas verkürzt werden konnte.
Im Januar 1966 begann deshalb M. Balint mit seiner Frau Enid ein neues Forschungsprogramm, das ganz auf die kurzen, meist nu