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Ethnologie wurde In Frankreich als Disziplin von Marcel Mauss mitbegründet — auf der Grundlage der Soziologie, die sein berühmter Lehrer und Onkel Emile Dürkheim, in Auseinandersetzung mit der Philosophie, ausgearbeitet hatte. Obwohl er kein Mann der Praxis war — wie Bachofen nur ein „Pantoffelreisender“
—, hat man Mauss das Verdienst zugesprochen, das experimentelle Stadium der Anthropologie eingeleitet zu haben. Der Einfluß seines Werkes auf die Anthropologen (und nicht nur der strukturalistischen, sondern auch der gegenteilig orientierten angelsächsischen funktionalistischen Richtung) ist enorm.
Sein Werk ist in sich verhältnismäßig unabgeschlossen; es setzt sich aus Aufsätzen zusammen, die, in zeitlich großen Abständen, hauptsächlich zwischen 1903/04 und 1938 erschienen. Fortsetzungen und Erweiterungen der Themenbereiche Gebet, Geld, Staat u. a. waren angekündigt und begonnen.
Sein zentrales Thema war die Religionssoziologie; er war Spezialist im vergleichenden Studium der Religionen und in vielen Sprachen, vor allem im Sanskrit. Sein Anliegen war es immer, „den größtmöglichen Katalog von Kategorien anzulegen“, von allen Kategorien auszugehen, „von denen man nur wissen kann, daß die Menschen sich ihrer bedient haben“. Von anderen übernahm er das Material für diese Inventarisierung, kategoriale Rekonstruktion und systematische Darstellung der grundlegenden Bezüge einer fremden Gesellschaft — für seine Annäherung an das Konkrete. Dabei strebte er auch den Vergleich mit der westlichen Kultur und eine Bewertung an. Wie er das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum am Beispiel der sozial determinierten Techniken des Körpers darstellt, hat einen großen Einfluß auf das beginnende Zusammenwirken von Ethnologie und Psychoanalyse gehabt. In diesem Aufsatz über die „Techniken des Körpers“ stellt er auch gleich zu Anfang unmißverständlich die Priorität des Konkreten bei der Theoriebildung heraus.
In seinem Selbstverständnis war Mauss Sozialist (im Sinne der russische