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Über Karl Abraham, „den ersten deutschen Psychoanalytiker“, liegt jetzt eine Biographie vor, nachdem seine gesammelten Werke 1969/1971 und sein Briefwechsel mit Freud 1965 im Fischer-Verlag erschienen waren. Karl Abraham hat für die deutschen Psychoanalytiker, besonders die, die in Berlin ihre Ausbildung erhalten haben, eine besondere Bedeutung; denn in Berlin hat Abraham die Psychoanalyse engagiert eingeführt und mit anderen in den berühmten zwanziger Jahren zu einer fruchtbaren Entwicklung gebracht. Den Verfall seiner Bemühungen während des nationalsozialistischen Regimes hat er infolge seines zu frühen Todes nicht mehr erlebt.
Die unvollendet gebliebene Biographie wurde von seiner Tochter Hilda, die nach der Emigration in London als Psychoanalytikerin tätig war, geschrieben und wurde nach ihrem Tode in der International Review of Psychoanalysis 1, 17 veröffentlicht. Sie liegt der nunmehr von H. H, Henschen besorgten Übersetzung zugrunde, zu der der Berliner Psychoanalytiker G. Maetze das Vorwort schrieb.
Wenn eine Tochter die Biographie ihres Vaters schreibt, so hat das seine Vor- und Nachteile. Die Schilderung des Familienlebens geht weitgehend auf persönliche Erlebnisse zurück, sie wird sozusagen aus erster Hand vermittelt. Bei der Herausarbeitung der Persönlichkeitszüge, die Werk und Bedeutung des Vaters in einen sinnvollen Zusammenhang mit seinem Leben und seinem inneren Erleben bringen, ist die Autorin als Tochter natürlicherweise befangen. „Bei Abschätzung der Mittel und Wege war ich durch viele Kenntnis- und Gedächtnisunsicherheiten und -lücken gehemmt, die die Persönlichkeit meines Vaters sehr nahe und doch in vieler Hinsicht so weit entrückt erscheinen lassen“ (S. 27). Fast rührend muten die Versuche an, die hinter einzelnen wissenschaftlichen Arbeiten stehenden persönlichen Motive zu erkennen, die Arbeiten des Vaters also in biographischem Zusammenhang zu sehen.
Im Mittelpunkt der Biographie steht die Beziehung zu Freud und die Rolle, die Karl Abraham b