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Zwischen Geburt und Tod des Menschen findet eine beständige Auseinandersetzung mit „Realität“ statt, deren Formen vielfältig sind: alltägliche Bewußtlosigkeit und totales Engagement, Flucht und narzißtischer Rückzug, angestrebte oder gewonnene „Normalität“, gewollte oder verordnete „Anormalität“. Realität, Realitätserfahrung, Anpassung und Widerstand, Erziehung und Sozialisation, subjektive und objektive Strukturen und deren Vermittlung — aus diesem Spektrum beziehen die Wissenschaften vom Menschen ihr Material. Die von ihnen entworfenen Modelle gilt es jeweils mit unseren eigenen Vorstellungen und unserem jeweiligen Bewußtsein zu vermitteln.
Die Arbeiten von Serge Leclaire „Das Reale entlarven“ und von Thomas Leithäuser „Formen des Alltagsbewußtseins“ liefern dazu zwei wichtige, einander ergänzende Beiträge; Leclaire läßt das Reale nicht als eine objektive (etwa sozio-ökonomisch bestimmbare) Struktur gelten, er will es in seinen jeweiligen Verzerrungen im Unbewußten und als Mangel nachweisen. Leithäuser dagegen sieht die Verzerrungen im Bewußtsein, Reden und Handeln des Menschen als Folge einer geradezu übermächtigen Realität, die er als solche für erfaßbar hält. Ihn interessiert Bewußtsein vor allem als das für die meisten Mitglieder einer Gesellschaft bindende Alltagsbewußtsein, das durch „Herrschaft“ und „Spätkapitalismus“ geprägt sei. Von diesem politischen System redet Leclaire nie. Das Reale und die Objekte sind für ihn, als Psychoanalytiker, in erster Linie Illusionen einfacher und unvermittelter Wirklichkeit; Objekte sind Triebobjekte, das Reale ist das psychisch und zeichenmäßig vermittelte Reale. Leithäuser läßt diese psychoanalytische Sichtweise nur als eine Erkenntnisquelle gelten. Die Überwindung der unbewußten Geltung des Alltagsbewußtseins bzw. des Realen ist beider Ziel. Sie schreiben gegen das Falsche, das Verzerrende im Verständnis der Realität an.
Der deutsche Titel „Das Reale entlarven“ verheißt — im Kontext unseres Realitätsverständnisses — das G