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Das Buch des Genfer Romanisten ist unauffällig skandalös. Es radikalisiert das von Freud immer wieder formulierte Argument, daß eine der Traditionen, aus denen seine Wissenschaft hervorgegangen ist, die Literatur war. Es radikalisiert dies Argument so, daß die Grenzen zwischen Psychoanalyse und Literatur verschwimmen.
In der Vergangenheit ist die Diskussion über das Verhältnis von Psychoanalyse und Literaturwissenschaft — vor allem auf seiten der Literaturwissenschaft
— immer wieder in den Kategorien von Herrschaft und Unterordnung geführt worden. Daß Freud zentrale Momente des literarischen Werkes — vor allem seine Geltung, die es auf Grund seiner Form gewinnt — für psychoanalytisch unverständlich erklärt hat, das ist dann mit einer Erleichterung aufgenommen worden, als hätte Freud freiwillig einen Herrschaftsanspruch eingeschränkt, dem sich die Literaturwissenschaft sonst hätte fügen müssen. Wenn man den Sachverhalt stilisiert, kann man sagen, daß die „formalistische“ Literaturwissenschaft alle ihre Kräfte in diesem Freiraum konzentriert hat, um die „eigentliche Ars poética“, der nach Freud der Autor seine Phantasien unterzieht, zu formulieren. — Seit die Germanistik Selbstkritik übt — wegen ihrer nazistischen Vergangenheit und ihrer Orientierung an einer scheinbar konfliktlos autonomen Dichtung —, seit der Krise der Germanistik wird auch die Psychoanalyse rezipiert, vor allem aber in der Absicht, ihr die traditionelle Literaturwissenschaft zu opfern, worin sich ja wiederum die Kategorien von Herrschaft und Unterordnung abzeichnen. Im Hintergrund erscheint der historische Materialismus: als imaginärer Allesverschlinger. Und es kommt ein neues Opfer in Sicht: die Literatur selber. In Carl Pietzckers Buch über die Lyrik des jungen Brecht (Suhrkamp 1974) zum Beispiel erscheint diese Lyrik als Wiederkehr infantiler Phantasmen, die Brecht — Pietzcker appliziert das alte Theorem vom Schreiben als Selbstheilung — durch die literarische Produktion abgearbeitet habe, um M