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Die Verfasserin, Theologin und praktizierende Tiefenpsychologin Jungscher Provenienz, stellt in diesem Buch die merkwürdigerweise — (oder bezeichnenderweise?) — von Jung in seiner Religionspsychologie selbst nie explizit gestellte Frage nach der „Anima“ Jesu in den Mittelpunkt und versucht nachzuweisen, daß Jesus das erste in der Religionsgeschichte auftretende Beispiel eines „integrierten Mannes“ (S. 23) war. Sie entfaltet dabei sorgfältig, aber nicht ohne (berechtigten!) Affekt noch einmal die haarsträubende Geschichte der Verteufelung der Frau in der christlichen Tradition bis in unsere Tage hinein mit eindrucksvollen und erhellenden Beispielen aus Geschichte und Gegenwart. Aus dem heute neu auflebenden Interesse für den Menschen Jesus bei den Jesuspeople, im Marxismus, im modernen Judaismus, und aus der Welle der Jesus-Bücher in der evangelischen und katholischen Theologie glaubt die Verfasserin schließen zu können, daß das Symbol „Jesus der Mensch“ ein auch in der Gegenwart im Sinne Jungs wirkendes Symbol ist, daß sie mit der Formel „Jesus der Mann“ auf einleuchtende Weise zu präzisieren und zu konkretisieren unternimmt.
Die methodologische Schwierigkeit des hier vorgelegten, äußerst anspruchsvollen Entwurfes eines „integrativen Verstehens“ (S. 172) besteht m. E. darin, daß die Verfasserin einerseits die Wirkungsweise eines religiösen Symbols studieren möchte und sich dabei mit Vorteil der Jungschen Theorie von der Projektion des Schattens bedient. Diese Partien eröffnen eine Fülle anregender kritischer Durchblicke und scheinen mir am besten gelungen. Zum anderen will sie das aber mit den Denkmitteln und Forderungen des modernen Historismus verbinden, d. h., es kommt ihr auf nichts so sehr an wie darauf, „wie es wirklich war“ (S. 16). Sie erhebt also den Anspruch, mit ihrem Jesus-Bild die historische Wahrheit rekonstruiert zu haben, statt etwas bescheidener einen Aspekt biblischer Hermeneutik beleuchten zu wollen. Da man aber nicht behaupten kann, dies sei genau