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Vorbemerkung: Hans-Jürgen Heinrichs gibt im Frühjahr dieses Jahres unter dem Titel „Die eigene und die fremde Kultur“ eine Auswahl der ethnologischen Schriften von Michel Leiris (in der Übersetzung von Rolf Wintermeyer) im Syndikat-Verlag, Frankfurt a. M., heraus.
Leiris gehört zu den Pionieren einer unorthodoxen Humanwissenschaft, deren interdisziplinäre Praxis durch eine elementare sinnliche und analytische Basis gedeckt ist. Schriftsteller und Ethnologe, machte er die Erforschung fremder Kulturen zum Feld seines persönlichen und kulturpolitischen Engagements. Dem praktizierenden Psychoanalytiker vergleichbar, versteht er sich mit seiner Person und seinem Wissen als in den analytischen Prozeß verstrickt, und die Chance seiner Wissenschaft besteht darin, aus dieser Verstrickung ein Engagement gegen Unterdrückung und Diskriminierung zu entwickeln.
Heinrichs erörtert diesen Typus von Wissenschaft auch in seiner Einleitung zur deutschen Erstausgabe. Im folgenden stellt er den Essay von Leiris über „Die Besessenheit und ihre theatralischen Aspekte bei den Äthiopiern von Gondar“ (1958) mit einem Textausschnitt vor und erörtert Bezüge zur Psychoanalyse.
Michel Leiris, Jahrgang 1901, gehörte von 1924 bis 1929 der surrealistischen Bewegung an. Seit der Teilnahme an einer von Marcel Griaule geleiteten Forschungsreise nach Afrika in den Jahren 1931-33 arbeitet er hauptberuflich als Ethnologe. Er widmet sich zum einen ethnographischen Detailstudien — zu Geheimsprachen, Beschneidungsriten und Besessenheitskulten -, zum anderen mehr allgemein ethnologischen und kulturpolitischen Arbeiten zum Verhältnis von Rasse und Zivilisation, Ethnographie und Kolonialismus, Kultur und Revolution. Sein Engagement gilt dem Abbau des Ethnozentrismus und Rassismus — im Sinne eines „aktiven Humanismus“.
So wie Leiris in seiner ethnologischen Tätigkeit immer bemüht ist, Phänomene des Fremden in einer, im Ansatz sozialpsychologischen, ethnopsychoanalytischen und linguistischen Analyse verstehbar zu ma