You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Bei dem folgenden Text handelt es sich um das Manuskript eines Vortrags, der im Herbst 1935 vor einem großen Publikum in der Prager Volkshochschule Urania gehalten wurde1. Die kampflose „Machtergreifung“ der Nazis hatte neuerlich auf die enorme Bedeutung von Wunschphantasien und kollektiven Illusionen aufmerksam gemacht, die in bestimmten gesellschaftlichen Situationen die Bildung massenfeindlicher Massenbewegungen begünstigen. Ein Beitrag zur Verarbeitung der Erfahrung der letzten Jahre der Weimarer Republik war die Kritik sozialistischer Intellektueller wie W. Reich oder E. Bloch an der allzu abstrakten Propaganda der Arbeiterparteien. In diesem Kontext stand auch der Vortrag von Lowenfeld, in der er — das aktuelle Geschehen in Hitlerdeutschland mit Theoremen aus Freuds „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ erhellend — „Bruchstücke und Anregungen zu einer Psychologie des Faschismus“ geben wollte, „da man die Bedeutung der psychologischen Faktoren heute nicht hoch genug einschätzen kann“: „Die ideologische Bedürftigkeit der Massen erweist sich als größer als ihr Hunger nach realen Gütern. Man kann ihnen ‚Ehre‘ statt Brot geben“. — In einem „Nachtrag nach 40 Jahren“ klärt der Autor, wer die eigentlichen Adressaten seiner Ausführungen waren, und vermerkt selbstkritisch, er habe die historische Figur Hitler, der er rückblickend entscheidende Bedeutung beimißt, seinerzeit, die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte mißachtend, ausgeblendet.