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Wollten die Götter einen modernen Odysseus strafen, so würden sie ihn mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht durchs Mittelmeer, sondern durch die inzwischen viel verwirrendere Therapieszene irren lassen. Momentan ist das Angebot an Therapien und semitherapeutischen Techniken riesig; stündlich
kommen neue auf den Markt und noch, nicht einmal Fachleute sind imstande, sich einen Überblick zu verschaffen.
Dies ist selbst eine Marktlücke. Sie zu schließen, soll das Buch von Bach/Molter dienen, indem es dem Leser hilft, „sich im heutigen ‚Psychobabel‘ zurechtfinden“ (S. 9). Mit einiger Mühe — die Gliederung ist nicht gerade der stärkste Teil des Buchs — kann man etwa folgende Unterteilung erkennen: 1. Beschreibung der Ursachen und der allgemeinen Bedeutung des „Psychobooms“. 2. Beschreibung und Begründung des eigenen therapeutischen Ansatzes. 3. Auseinandersetzung mit gegenwärtig populären anderen therapeutischen Modellen. Hier die wichtigsten Aussagen und Argumente in kondensierter Form: 1. Der Andrang, der gegenwärtig bei allem, was in irgend einer Weise mit Psychologie und Psychotherapie zu tun hat, zu verzeichnen ist, ist der Ausdruck „grundlegend neuer Bedürfnisse“ (S. 15). „Viele suchen heute nach neuen Antworten, nach einem anderen Sinn im Leben“ (S. 15). Die Ursache für den Zerfall des traditionellen Sinns: „Der moderne Mensch befindet sich in jeder Beziehung seines Alltagslebens in einer nie dagewesenen Abhängigkeit“ (S. 15). Seine Welt ist verwirrend und gefährlich geworden, was ihn zur Neuorientierung zwingt. „Nach einer langen Phase materialistischer Grundeinstellung, wissenschaftlicher Fortschritte, mörderischer Kriege und Entfremdung durch Industrialisierung und Konsumüberfütterung betrachten wir das gegenwärtige Suchen als Anfang einer psychologischen Renaissance. Das Bewußtsein steigt, daß es nicht genügt, die gegenwärtige Misere mit Schlagwörtern … zu belegen und in gelehrten Abhandlungen in Bibliothekssilos zu lagern, ohne etwas dagegen zu unternehmen.