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Wenn die Neuerer tot sind, die Aggression der Zeitgenossen abklingt, Anerkennung und Preislieder Polemik und Schmähungen überlagern, wollen viele wissen, warum der nun als „groß“ erkannte Mann, die jetzt „berühmte“ Frau groß und berühmt sind. Das ist die Stunde der Biographen: Seht, er war ein Mensch wie ihr; doch alles, was er tat, war kulturell bedeutsam. Schon beginnt
die Spur von seinen Erdentagen zu phosphoreszieren, gewinnen alte Fotos, Ortsansichten, Gebäude, Möbel, Schriften magische Bedeutung: Hier seine Pfeife, dort sein Fußabdruck, die alte Mutter und der späte Enkel, die andre Frau, die gut verbürgte Anekdote, der Reisegruß, das mutmaßliche Bild. Während das Werk, der objektivierte Gedanke ins Archiv der Tradition eingeht — auf Spezialisten wartend, die wissen wollen, weniger wie, als was es denn eigentlich war, das die „Großen“ bewegte — werden die Lebenszeugnisse zum Substitut.
Auch Freud ist nun ins biographische Pantheon eingerückt. Filme, Romane, Wanderausstellungen und Bildbiographien präsentieren Leben und Werk, meist Leben statt Werk. Eine Schallplatte bringt jetzt Freud-Texte zu Gehör. Der Stimme Freuds kann das biographische Interesse nicht mehr habhaft werden; so tritt Paul Hoffmann (vom Burgtheater) akustisch als Freud auf. Briefstellen wurden in ein biographisches Gerüst montiert, das aus Passagen der Freudschen „Selbstdarstellung“ (von 1925 bzw. 1935) gezimmert ist. Die Auswahl der Texte besorgte Eva Laible (in Zusammenarbeit mit dem Sprecher), zunächst für eine Matinee im Theater der Josefstadt (am 17. 2. 1974). Diese wurde mehrfach, auch im Ausland, wiederholt; dann machte die Firma Preiser daraus eine Stereoplatte (von ca. 70 Minuten Spieldauer).
Zur Matinee schrieb eine Rezensentin: Die Autoren „rechneten mit einem Laienpublikum und machten für dieses Kompliziertes ‚g'schmackig‘ — eine sehr wienerische Methode, die Dinge anzugehen. In diesem Fall war sie erfolgreich und verfälschte das Bild nicht“ (Renate Wagner im Linzer Volksblatt vom