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Dieses Buch ist eine systematische Analyse von Borderline-Zuständen, ihrer Psychopathologie, Diagnose, Prognose und Behandlung. Acht der zehn Kapitel sind in amerikanischen Zeitschriften im Zeitraum zwischen 1967 und 1974 erschienen. Dasjenige über die Differentialdiagnose und das letzte, in dem sich Kernberg gegenüber Kohut theoretisch und technisch abgrenzt, sind für die Buchausgabe neu geschrieben worden. In diesem letzten Kapitel definiert Kernberg den normalen und pathologischen Narzißmus und befaßt sich mit dessen metapsychologischen Implikationen. Dieses letzte Kapitel ist stark abgewandelt und hat an Klarheit gegenüber dem in der Psyche (Oktober 1975) erschienenen wesentlich gewonnen.
Kernberg betrachtet die Borderline-Patienten als eine Gruppe, die ein Grenzgebiet zwischen Neurose und Psychose besetzt, die aber über eine spezifische und stabile pathologische Persönlichkeitsorganisation verfügt. Deshalb schlägt er auch vor, den Begriff „Borderline-Persönlichkeits-Organisation“ (Borderline Personality Organisation) zu verwenden, um nicht mit dem Terminus „Borderline-Zustand“ das Bild einer zwischen Neurose und Psychose fluktuierenden Persönlichkeitsstruktur hervorzurufen.
Borderline-Patienten weisen alle Zeichen unspezifischer Ich-Schwäche auf (Mangel an Angsttoleranz, an Impulskontrolle, an Entwicklungsmöglichkeiten für Sublimation), verfügen nur über primitive Abwehrorganisationen (Splitting, primitive Idealisierung, Projektion, projektive Identifikation, Verleugnung, Allmacht und Entwertung), neigen zu primärprozeßhaftem Denken und unterhalten pathologische Objektbeziehungen. (Dabei dominieren die prägenital aggressiven Anteile und machen es dem Patienten so unmöglich, stabile Objektbeziehungen einzugehen.) Diese vier Charakteristika erklären, warum es beim Borderline-Patienten zu einer vorübergehenden Verwischung von Ich-Grenzen kommen kann, besonders in jenen Ich-Anteilen, die bei Objektbeziehungen eine Rolle spielen.
Da Borderline-Persönlichkeiten auf vers