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I. Auch Frank Rotters jüngste, wiederum von viel exakter theoretischer Phantasie getragene, Publikation über „Sozialen und personalen Wandel“ nimmt wie die vorhergehenden (beispielsweise „Verfassung und sozialer Wandel“, Hamburg 1974) dezidiert Bezug auf psychoanalytische Probleme. Nicht zuletzt weil es sich um die Novität einer verfahrenstheoretischen Aufarbeitung der Psychoanalyse, angelehnt an die Verfahrenssoziologie Niklas Luhmanns, handelt, verdient Rotters umfassende, freilich über die — nach Talcott Parsons — erneute systemtheoretische Adaption der Psychoanalyse hinausgehende Studie das Interesse des theoretisch (metapsychologisch und „behandlungstechnologisch“) engagierten Psychoanalytikers. Die vielfach von psychoanalytischem Wissen durchdrungene Studie geht an zwei Stellen expressis verbis auf einschlägige Anschauungen ein: in den Kapiteln über „Norm und Neurose“ (2) und über den „Therapeutischen Diskurs: psychoanalytische Verfahren“ (3.3.2.). Diese Abschnitte werden hier — hoffentlich nicht auf Kosten ihres Stellenwertes — isoliert.
Ohne den systemtheoretischen Ansatz sogleich zu problematisieren, soll die Grunddifferenz „sozialer und personaler Systeme“ vorab gelten. Der systemtheoretische Blick hat es hauptsächlich auf die Äquivalenzen beider Systemdimensionen abgesehen, und als erste überraschende Äquivalenz stellt sich die von „Recht“ und „Neurose“, beide als Strukturprinzipien verstanden, heraus. Die Feststellung solcher Äquivalenzen — die Basis der systemtheoretischen Erkenntnisleistung — bedeutet nun in unserem Fall nicht etwa die Pathologisierung des Rechts oder umgekehrt die „Juristifizierung“ der neurotischen Erkrankungen, vielmehr beider Vergleich nach Maßgabe der Möglichkeiten und Grenzen ihrer adaptiven Strukturierungsleistung. So kann Rotter — in diesem problemeröffnenden Kapitel über „Norm und Neurose“ schreiben:
„Genau diesem (sc. vorher angedeuteten) normativen und mittelbar kognitiven Stellenwert