You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ich erinnere mich der Lektüre einer etwa um 3000 — 2000 y. Chr. verfertigten Handschrift, die medizinische Fälle mit großer Sorgsamkeit beschrieb und auswertete und nach gestellter Diagnose, vor den therapeutischen Anweisungen, eine Zuordnung zu den drei folgenden Möglichkeiten traf: Es ist ein Leiden, das ich behandeln will; es ist ein Leiden, mit dem ich es aufnehmen will; es ist ein Leiden, gegen das ich nichts tun kann (in diesem Fall sind nur erleichternde Maßnahmen zu treffen).
Zu dieser heilsamen Offenheit hat sich die moderne technokratische und kommunikativ impotente Medizin den Weg verbaut. Eine Kritik dieser Medizin, ihrer Ausführenden und ihrer institutioneilen Verfestigungen, die Ausarbeitung einer „Grammatik des Leibes“ (im anthropologischen Kontext) und einer umgreifenden Dialogik, eine Hinwendung zu dem Patienten, das Sich-Einlassen auf ihn, ohne ihn szientistisch zu unterlaufen, das ist Kiskers Anliegen.
Karl Peter Kisker versteht sich als „erklärter psychotherapeutischer Synkretist“, der, außerhalb von Standesformationen und Schulen, therapeutisch in der Psychiatrie arbeitet. Für die schriftliche Darlegung seiner Position hat dieser Synkretismus die Folge, daß der disparate Materialreichtum und die Fülle der verarbeiteten Positionen sich weniger zu einer sich schlüssig entwickelnden Studie denn zu einem Kompendium von brisanten, teils überformulierten Kurz-Essays — jeder für sich isoliert lesbar — zusammenschließen.
Kisker, Leiter der Psychiatrischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, hat unter dem veränderten Titel „Mediziner in der Kritik“ eine bearbeitete Fassung des 1971 erstmals publizierten Buches „Medizin in der Kritik“ veröffentlicht und darin erneut seinen Standpunkt als „teilnehmender Beobachter“ auf der Suche nach dem „archimedischen Punkt“ im Streit um die Krise der Medizin(er) betont:
„Als Arzt und mehr am Wege der Sprechstunde sammelnd denn aus der wissenschaftlichen Datei schrieb ich hier Ahnungen, Hoffnungen, Besorgnisse nied