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„Shakespeares Dramen geben Zeugnis von des Dichters Röntgenblick für Seelen und von seiner Fähigkeit, psychische Vorgänge vermittels Sprache in sinnliche Erscheinungen zu transponieren“, heißt es auf der Rückseite des Buches. „Sie werden in diesem Buch mit Hilfe der tiefenpsychologischen Terminologie C. G. Jungs beschrieben und interpretiert, wobei sich jedes Stück als das drame intérieur einer individuellen Psyche erweist und jede Bühnenfigur als Metapher eines bestimmten psychischen Komplexes. Außer den dramaturgischen Funktionen der Figuren läßt diese Interpretationsmethode auch die Struktur und den Sinngehalt der Dramen transparent werden. Von den so erhellten Texten heben sich die Zusätze der Stückebearbeiter als opake Fremdkörper dissonierend ab.“ — So lesen sich die einzelnen Interpretationen nicht nur als Versuche psychologischer Durchdringung, sondern auch als Bemühung des Autors, an die Stelle von „Verworrenheit … den Versuch einer Rekonstruktion des Urtextes“ zu setzen (S. 315). Es kommt zum seitenlangen Abdruck ganzer Szenenfolgen, die der Verfasser als vermutlich-vermeintlichen „Urtext“ präsentiert — wobei es sich um einen unbewältigten Ambivalenz- und Rivalitätskonflikt des Autors zu handeln scheint. Wiederholt fühlte ich mich beim Lesen an einen Aufsatz Susan Sontags in ihrem Buch „Kunst und Antikunst“ (Hamburg 1968) erinnert, in dem von einer „offenkundigen Verachtung des äußeren Erscheinungsbildes“ des Kunstwerks die Rede ist: „Die Interpretation alten Stils war hartnäckig, aber respektvoll; sie errichtete über der tatsächlichen Bedeutung eine neue Bedeutung. Die Interpretation im modernen Stil gräbt aus, und im Akt der Ausgrabung zerstört sie; sie gräbt sich ‚hinter‘ den Text, gleichsam um den Urtext freizulegen, der für sie der eigentliche Text ist.“ Man muß nicht wie Susan Sontag generell „gegen Interpretation“ eingestellt sein, um doch etwas Richtiges und Beherzigenswertes in diesen Worten zu spüren, die zumindest auf das hier zu besprechende Bu