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Wenn schon Neigung mehr zum Lesen verleitet als Pflicht: Anregung, darüber hinaus, verführt zur Antwort, nimmt man doch geschriebenes Wort, das Antwort wünscht, dann beim Wort.
Hermann Glasers „assoziative Hermeneutik“, die Sigmund Freud und seiner Zeit gilt, ist eine Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse und eine Sozialpsychologie der Epoche, in der sie entstand.
In der Einleitung zu seinem „Freud-Psychogramm“ (9) stellt Glaser, fernab vom geläufigen Einleitungsritual, seine Methodenabsichten gründlich vor, gründlich genug, um einen vororientierten Leser ins Buch zu entlassen.
Glasers Methode der „assoziativen Hermeneutik“ (12 ff.) sucht die Zufälle der Zeit und die Einfälle Freuds in ihrer Konstellation zueinander zu erhellen; dabei spricht er vom Genie auf der Grundlage „der inneren Gleichgestimmtheit von Zeit und Personalität“ (12). Er verknüpft Freudsche Termini mit soziologischen, zumeist von Marx analysierten Sachverhalten. Begriffskombinationen wie „Kulturpuber“, „Kulturerinnerung“, sind mehr als schlichte Additionsprodukte: Sprache beweist ihre motorisch-dynamische Funktion noch immer, indem das neue Wort, kaum gesprochen, seinen Urheber wie dessen Rezipienten unentwegt zur Weiterentdeckung herausfordert.
Die Diskussion zwischen Marx und Freud organisiert Glaser, indem er beide selbst reden läßt und zeitweilig, wie ein guter Diskussionsleiter, zurücktritt. Läßt er dann auch noch verschiedene Nachkommen und Kindeskinder zu Wort kommen (Adler, Jung, Reich, Fromm, Caruso, Parin…), so vermittelt dieses sozialpsychologische Podiumsgespräch mit Wissenschaftlern Gemeinsamkeiten zwischen Psychoanalyse und Marxismus.
Beide Revolutionäre eint der Wille, dem „durch Profitgier entstellten Menschentum“ (45) aus sozialem und psychischem Elend herauszuhelfen, sowie ihre Macht, dies zunächst kraft analytischer Erhellung der Bedingungen zu erreichen. Es ist die Macht des Geistes, wie sie bis heute subversiv mit bisweilen großen Erfolgen arbeiten kann, gerade weil „man“ ihr se