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Noch eine Freud-Biographie nach den schon vorhandenen — nach den großen Werken von Jones und Schur und den vielen kleineren? Und nun auch noch bebildert! Ist das nicht zuviel? Vielleicht bloß Ausdruck dafür, daß wir in die Phase der „Heldenverehrung“ eintreten oder in die, in der das Interesse für die Sache von der Neugier für den Mann abgelöst wird — oder ganz einfach das Geschäft mit der Psychoanalyse?
Weit gefehlt! Es ist weder das eine noch das andere. Den Herausgebern — Ernst Freud (Freuds jüngster Sohn, der bereits Jahre vor der Fertigstellung des Bandes starb), seiner Frau Lucie und im wesentlichen der hervorragenden Freud-Kennerin Ilse Grubrich-Simitis, die sich um die Herausgabe der elfbändigen Studienausgabe von Freuds Werken verdient gemacht hat und nach Ernst Freuds Tod die Arbeit zu Ende führte — ist etwas gelungen, das mehr ist als die schon vorhandenen Biographien und zu mehr taugt als zur Befriedigung von Neugier. Dies gelingt ihnen einmal dadurch, daß sie 20 Jahre nach der Biographie von Jones neues Material vorlegen können, vor allem Briefstellen. Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist, daß sie Bilder mit Texten so kombinieren, daß eine starke Intensivierung der biographischen Aussage zustande kommt. An den Höhepunkten des Bandes gerät sie zu einer Verdichtung von Bild und Text in einem Maße, daß der Leser Dinge zusammensehen kann — sozusagen mit einem Blick —, die in einer Biographie ohne Bilder so nicht zu erfassen wären. Beispielhaft für diese Kondensierung ist Seite 95, wo ein Brief Freuds an seine Braut Martha Bernays vom 9. August 1882 abgebildet ist, in dessen Mitte sich zwei große Tintenkleckse befinden. Der Brieftext lautet: „Hier ist uns die Feder aus der Hand gefallen und hat diese Geheimzeichen geschrieben. Wir bitten um Entschuldigung und sich nicht um die Deutung zu bemühen.“ Der Kommentar darunter kläruns darüber auf, daß Freud diesen Brief in großer, durch unbegründete Eifersucht verursachte Erregung niederschrie