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Frau Professor Gicklhorn, die der Rezensent als Kustos des Sigmund-Freud-Hauses kennengelernt hat, wurde in psychoanalytischen Kreisen bekannt, weil sie im Laufe eines Vierteljahrhunderts — zuerst mit ihrem verstorbenen Mann und später allein — eine Fülle interessanter Dokumente zur Biographie Freuds in österreichischen und tschechoslowakischen Archiven ausgegraben und publiziert hat, und auch weil sie über die Deutung dieses Materials mit spürbarem Vergnügen heftige Kontroversen mit psychoanalytischen Autoren führte.
Der Leser der Traumdeutung erinnert sich an Sigmund Freuds Traum vom Onkel Josef mit den länglichen Zügen und dem gelben Bart, jenem jüngeren Bruder seines Vaters, der — nach Freuds Mitteilung in der „Traumdeutung“ — in gewinnsüchtiger Absicht eine schwer geahndete Straftat beging und büßte, obwohl er nach dem Urteil von Freuds Vater Jakob Freud kein schlechter Mensch, sondern nur ein Schwachkopf war. Freud hat dieses brüderliche Mitleid nicht ganz geteilt, denn in den Traumassoziationen fällt wiederholt das Wort Verbrecher. Den hohen Ansprüchen der Autorin an den Charakter Freuds genügt dieser Freimut allerdings nicht: sie wirft ihm vor, daß er die Art der strafbaren Handlung verschwieg, um die Affüre zu „vertuschen“ und zu „bagatellisieren“.
Auch Ernest Jones erwähnt in seiner Freud-Biographie den Onkel Josef und teilt in einer Fußnote mit, daß die österreichischen Polizeiarchive nichts über den Fall enthalten; die Autorin bestätigt dies (es gab einen Polizei- und Gerichtsakt, der aus bestimmten Gründen nach Rußland gelangt war). Jones knüpft daran die Vermutung, es könne sich nur um eine Geldstrafe gehandelt haben. Die Autorin widerlegt diese Folgerung und verurteilt sie mit unangemessener Härte: Jones sei in „leichtfertiger und den Tatsachen kraß widersprechender Weise“ über die Sache hinweggegangen; es handle sich um eine (in „mehr als 40 Fällen bewiesene“) „Fälschung der Tatsachen“ in Freuds Leben.
Gicklhorn war seit rund zwei Jahrzehnten bemüht, de