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In seinen „frühen Gedichten“ sagt Rilke lapidar: „… und der Traum hat recht“. Diese Einsicht des Dichters enthebt den Autor nicht der Bemühung, „die Szene der Literaturwissenschaft“ in einem einleitenden Kapitel darzustellen, um darin die Bedeutung einer Beschäftigung mit Traum und Träumen zu rechtfertigen. Dabei kommen bereits psychoanalytische Gesichtspunkte (unter Zitierung entsprechender Arbeiten) zur Geltung; das Grundmotiv des Dichters und Menschen Rilke wird aufgedeckt. In den „methodischen Bemerkungen“ fällt ein weiteres bedeutsames Wort: Es geht nicht … in erster Linie um die Person Rilkes, sondern um den Versuch, sein Werk besser zu verstehen“ (S. 25). Das Werk besser verstehen heißt, es dem Wandel der Zeitströmungen zu entziehen und seinen eigentlichen Gehalt zu erfassen. „Eine solche psychologische Erforschung verleiht der literarischen Deutung und Sinnerhellung von Traumvisionen in der Dichtung eine neue Dimension.“ daß auch „erdichtete“ Träume einer deutenden Interpretation unterzogen werden können, überrascht nicht, wirft einerseits ein besonderes Licht auf die dichterische Arbeit, andererseits auf die Einsichten Freuds. Neben vertiefter Einsicht in die Symbolik bleibt als Voraussetzung eines Traumverstehens „die Kenntnis der Person des Träumers, die Verhältnisse, unter denen er lebt, und die Eindrücke, nach welchen der Traum vorgefallen ist“.
Daraus erhellt ohne weiteres, daß die Vorbedingungen gegeben sind, die Träume Rilkes und seine Ansichten über den Traum deutend darzustellen: da sind auf der einen Seite die Tagebücher, Tausende von Briefen und das Werk des Dichters, auf der anderen Seite frühere Arbeiten von Simenauer. So umfangreich dieses „Material“, das uns von Rilke selbst überliefert wurde, auch ist, der Autor ist ihm in bewundernswerter Weise gewachsen. Er bringt zu dieser Fälle ein motivisch ausgerichtetes und umfassendes Wissen mit, das uns ebenso fasziniert wie Rilke, um den es „geht“, und der in dieser Illumination in eindeutigem Licht