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G. Róheims „Psychoanalyse und Anthropologie“ — , drei Jahre vor seinem Tode erschienen und S. Freud gewidmet — stellt die Zusammenfassung seiner Arbeiten der Anwendung der Psychoanalyse auf die Ethnologie und des Versuchs einer gegenseitigen Vermittlung beider und zugleich eine Auseinandersetzung mit der ebenfalls psychoanalytische Erkenntnisse verwertenden Kulturanthropologie dar. Die vorliegende deutsche Übersetzung umfaßt knapp die Hälfte der amerikanischen Buchausgabe der ursprünglich am New Yorker Psychoanalytischen Institut vorgetragenen Studien über verschiedene, Róheim z. T. durch eigene Feldstudien, z. T. aus der Literatur bekannte Gesellschaften. Diese Kürzung ist wegen der Begrenzung der Feldstudien auf von Róheim selbst untersuchte Völker und wegen des Wegfalls der zahlreichen Wiederholungen in Róheims Werk sinnvoll und eine Erleichterung für den Leser, auch wenn es wünschenswert gewesen wäre, das Kapitel über die Aranda aufzunehmen, da die Untersuchungen dieses zentralaustralischen Stammes die wesentliche Grundlage seiner Theoriebildung sind.
Róheim unternimmt es in diesem Buch, die bisweilen sogar von Psychoanalytikern in Zweifel gezogene Universalität des Ödipuskomplexes und mit diesem zugleich die Gültigkeit der psychoanalytischen Theorie auch bei nicht-europäischen Völkern nachzuweisen, und zwar exemplarisch an zwei für die Begründung der Zweifel herangezogenen Stämmen: den Navahos und den Papuas. Grundlage des Nachweises des Ödipuskomplexes bei den matrilinear und matrilokal organisierten Navahos bilden zahlreiche von Róheim mittels des von Rank zuerst im „Mythos von der Geburt des Helden“ angewandten Variationsdeutungsverfahrens interpretierte Mythen; bei diesem Verfahren werden die für die Psychoanalyse unabdingbaren Assoziationen des Patienten durch — natürlich vom jeweiligen Forscher ausgesuchte und organisierte — Stücke der Mythen ersetzt. Ferenczi z. B. (Schriften zur Psychoanalyse, Bd.II, Frankfurt 1972, S. 70) hat diesem nicht unbegründeten