You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Freuds Denken ist gleichermaßen vielseitig und tiefgründig, so daß jeder Versuch einer Systematisierung Gefahr läuft, Wesentliches zu übergehen. Jede Lektüre von Freuds Schriften erschließt neue Zusammenhänge und Einsichten hinsichtlich der Entwicklung seines Denkens. Wer indessen mit dieser Hoffnung an das erstgenannte Buch herangeht, wird enttäuscht. Es kann allenfalls als eine erste Einführung in Freuds Gedankenwelt gelten, die aber nirgends die Präzision der Begriffe erreicht, die der Leser in den Einführungen von Charles Brenner oder Robert Waelder antrifft. Die Freudsche Psychoanalyse wird nach einem Abschnitt über die Anfänge der Jahre 1886-1895 grob in eine von 1900-1914 reichende Es-Psychologie und eine sich von 1914-1939 erstreckende Ich-Psychologie eingeteilt. So wird die komplizierte gegenseitige Abhängigkeit der Trieblehre und des ich-psychologischen Ansatzes im Sinne einer psychoanalytischen Konfliktpsychologie in ein System gepreßt, das der Vielfalt des Freudschen Werkes in keiner Weise gerecht wird.
Das zweite Buch weckt deswegen Interesse, weil es im Titel die Psychoanalyse mit der Psychologie in Zusammenhang bringt. Man denkt an eine psychoanalytische Psychologie im Gegensatz zur akademischen Psychologie, an eine Integration der Psychoanalyse als Teilgebiet der Psychologie oder an eine Darstellung der Psychoanalyse als klinischer Psychologie. Derartige, aus dem Titel abgeleitete Erwartungen werden aber nicht erfüllt. Vorgelegt wird stattdessen eine Systematisierung, die alle Human-Wissenschaften in einer „psychotherapeutischen Vision von Glück“ (S. 170), einem „analytischen Ideal“ (S. 4) folgend, in einem „dynamischen Menschenbild“ vereint. Der Verfasser glaubt, Ergebnisse der Lerntheorie in die Psychoanalyse einbauen („inkorporieren“,