You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Als Wiegmann 1948 seine noch heute bestehende „Privatklinik für psychogene Störungen“ in Berlin-Grunewald eröffnete, betrat er damit psychotherapeutisches Neuland. Zwar hatten bereits vor ihm G. Groddeck und E. Simmel psychoanalytische Behandlungen in der Klinik durchgeführt, fanden aber keinerlei Nachahmer, denn die Rahmenbedingungen der klinischen Therapie widersprachen zu sehr dem klassischen analytischen „setting“. Es gehörte daher viel Mut, Phantasie und Durchhaltevermögen dazu, einen neuen Ansatz in der stationären Psychotherapie zu wagen.
Inzwischen ist die stationäre Psychotherapie mehrfach innerhalb und außerhalb der Universitäten institutionalisiert und die wissenschaftliche Diskussion dreht sich gegenwärtig nicht mehr so sehr um das „ob überhaupt“ sondern vielmehr um das „wann“, „bei welchen Patienten“ und „wie“. Im Rahmen dieser Diskussion ist es zweifellos wertvoll, die Erfahrungen und Ansichten eines Pioniers und Spurentreters der stationären Psychotherapie kennenzulernen.
Wiegmann ist der Meinung, daß „analytische Psychotherapie eigentlich die Forderung involviert, den Patienten, solange es irgend geht, in seiner normalen Umwelt zu belassen“ (S. 15) und daß deshalb die Verweildauer in der Klinik nicht allzulange ausgedehnt werden sollte. Bei ihm wurde als durchschnittliche Aufenthaltsdauer ein Zeitraum von 45 Tagen ermittelt (S. 15). Dementsprechend formuliert er als Nahziel stationärer Psychotherapie: „Die klinische Aufgabe kann dann als erfüllt angesehen werden, wenn eine ausreichende Arbeitsfähigkeit erreicht oder wenn der Patient so weit von seiner Organsymptomatik befreit ist, daß eine Fortsetzung seiner Psychotherapie ambulant möglich ist, oder wenn die Kontaktschwierigkeiten zur Umwelt bzw. die Umweltverhältnisse selbst so weit beeinflußt sind, daß eine Rückversetzung in die alte Umwelt bei etwaiger ambulanter Fortführung der Therapie möglich ist“ (S. 16, vgl. S. 88). Auf jeden Fall sollte der Patient in der Klinik „den analytischen Weg so weit g