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Die Redaktion der Psyche und der Herausgeber hatten ihre Mitarbeiter am 13. Mai 1977 zu einer Aussprache nach Frankfurt a. M. geladen, d. h. jene Personen, deren Namen im Impressum der Zeitschrift als eine Art Qualitätszeichen figurieren. Bei dieser Konferenz fand man, daß in der Psyche psychoanalytische Kommentare zu aktuellen Fragen (Terror, Folter, Drogen, Elektroschocktherapie, therapeutische Sekten, Frauenbewegung, Sexualität heute, usw.) häufiger zur Sprache kommen sollten. Sogleich wurde die Apathie der meisten Psychoanalytiker solchen Fragen gegenüber beklagt, von einem, der sich davon frei wissen kann, von Alexander Mitscherlich. Ich schlug vor, eine Glosse über die Ursachen dieser Abstinenz zu schreiben.
Es schwebte mir vor, mit den Mitteln der Ethnologie an die Frage heranzugehen, „warum die Psychoanalytiker so ungern zu brennenden Zeitproblemen Stellung nehmen“. Ein Buch, das auf alle jene komplexen Zusammenhänge und Gründe einginge, die unsere Frage aufwirft, wollte niemand schreiben. Und einzelne Ursachen, die unserer Versammlung auf der Hand zu liegen schienen, sind wohl eher dem Repertoire von Rationalisierungen entnommen, die jede Humanwissenschaft für Konversationszwecke bereithält. Psychologisch kann man argumentieren: die Psychoanalytiker verdrängen, verleugnen das Soziale; sozialpsychologisch: ihre Identität als Analytiker wäre durch aktives Handeln draußen, in der Gesellschaft, bedroht; linguistisch-kommunikationstheoretisch: sie haben es versäumt, den Fachjargon der Sozialwissenschaften zu erlernen, so wie die Soziologen oft Sprache und Begriffe der Psychoanalyse nicht verstehen; soziologisch: in ihrer Rolle, in ihrer sozialen Nische zwischen Lehnstuhl und Couch hat das gesellschaftliche Leben keinen Platz; wissenschaftstheoretisch: die Psychoanalyse beschäftigt sich mit dem Individuum und seinem Innenleben und nicht mit der Gesellschaft; historisch: sie ist ein Relikt aus dem bürgerlichen Wien der Jahrhundertwende, unverändert aus einer Epoche