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Simmel charakterisiert den Antisemitismus als eine Massen-Psychopathologie. Ist das zentrale Kulturproblem die Bewältigung der menschlichen Destruktions- bzw. Verschlingungstriebe, so ist der Antisemitismus ein Resultat kultureller Überforderung im Kontext ökonomischer Krisen. Ein Blick auf den religiösen Antisemitismus lehrt, daß „der” Jude als Sündenbock der christlichen Kultur fungiert. Die Gemeinschaft der Antisemiten eröffnet Individuen, die infolge von lebensgeschichtlichen Traumen und Status-Krisen auf Ichautonomie verzichten und in die Massenbindung überwechseln, eine Chance für straffreie Abfuhr aufgestauter Aggressionen gegen Minoritäten. Simmel beschließt seine Reflexionen mit einem Programm zur Bekämpfung des Antisemitismus und anderer Formen der Verfolgung von Minoritäten.