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Dem Verständnis Freuds und der Psychoanalyse zufolge läßt sich die Urszene als jene traumatisierende Erfahrung definieren, die das Kind bei der als Szene wahrgenommenen sexuellen, nicht unbedingt koitalen, Bemächtigung der Frau durch den Mann macht. Das Kind erlebt diesen Bemächtigungsakt als Aggressions- und Gewaltakt des Mannes, und die Phantasien, die das Erlebnis der Urszene entbinden, haben selber jenen bemächtigenden und gewaltsamen Charakter, den das Kind der Urszene zuschreibt. Für die Psychoanalyse freilich, und zumal für die Therapie, ist es letzten Endes unerheblich, ob die Urszene eine tatsächlich erlebte Begebenheit oder bloß eine Phantasie ist. Von Belang ist allein die lebensgeschichtliche Prägung, die das Individuum durch die ursprüngliche Einschreibung von Begehren und Bemächtigung erfährt — eine Einschreibung, die, gerade weil sie bewußtseinsentzogen ist, von buchstäblich überwältigender, die Ontogenese des Subjekts zentral bestimmender Qualität ist.
Mit diesem Vorverständnis machte ich mich an die Lektüre von Bornemans neuestem Buch, Die Urszene, um sogleich enttäuscht zu werden. Bornemans Urszenen sind entgegen seiner eigenen Definition (vgl. S. 378), so ist dem Buch zu entnehmen,