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Meine Damen und Herren,** bitte betrachten Sie meine Ausführungen durchaus als das, was sie sind: als Einmischung in gegenwärtige deutsche Verhältnisse. Ich habe einen guten persönlichen Grund, mich einzumischen. Jede ideologische oder politische Bewegung in Deutschland wirkt mit Macht auf den südlichen Nachbarn, auf die Schweiz ein. Auch will ich versuchen, mich als Nestbeschmutzer zu bewähren, d. h., ich will in der Diskussion bekannte und weniger offenkundige schlimme Verhältnisse in der Schweiz zum Vergleich heranziehen.
Zur Beantwortung der Frage, was gegen Hexenjagd und McCarthyismus zu tun ist, und wie man der vermehrten Anwendung von Gewalt von seiten des Staates und seiner gewalttätigen Gegner begegnen kann, will ich mit ethnopsychoanalytischen Überlegungen einen Beitrag leisten. Die Ethnopsychoanalyse versucht, mittels der psychoanalytischen Methode gesellschaftliche Verhältnisse, politische, ideologische und andere soziale Erscheinungen aufzuklären.
Deutschland hat, wie allseits bekannt, „die bürgerliche Revolution versäumt“. Die Herrschaft des bürgerlichen Kapitals wurde vom hierarchisch organisierten Obrigkeitsstaat herbeigeführt. Der „bourgeois“ ist nicht zum „citoyen“ geworden, d. h., daß das Bürgertum sich mit dem Träger der Macht, dem Staat, nicht identifizieren konnte. Das 19. Jahrhundert brachte statt der Verallgemeinerung der bürgerlichen Ideologie eine Verfestigung der obrigkeitshörigen, gleichsam feudalzeitlichen Ideologie bei Angehörigen aller Klassen. „Ich bin es, dessen Interessen meine Regierung vertritt, oder, aber: sie sollte mir dienen, tut es aber nicht“, das wäre eine Identität als „citoyen“; der Untertan erlebt sich