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Daß etwas wie Intoleranz in den letzten Jahren, besonders aber in der jüngsten Vergangenheit zugenommen hat, ist unübersehbar. Bevor wir uns darauf festlegen, sollten wir jenem methodischen Zweifel Spielraum
lassen, mit dem jede Wissenschaft anfängt. Er bildet den Gegensatz jener Intoleranz, die sich zunächst als akute Verengung der Urteilsfähigkeit zeigt. Ihr geht eine ebenso krasse Einschränkung in der Zulassung neuer Erfahrungen voran — von Erfahrung vor allem, die den eigenen, einmal eingenommenen Standpunkt in Frage stellen könnte. Dieser Prozeß wird von Affekten begleitet, die von der Angst bis zur Wut reichen und daher zu Alarmmaßnahmen disponieren, von denen Gewalttätigkeit die allgemeinste und gefährlichste ist.
Mein methodischer Zweifel richtet sich zunächst gegen die Annahme, daß die Intoleranz zugenommen hat: Wir sollten überlegen, ob sie nicht nur plötzlich mehr manifest geworden ist, in Wirklichkeit aber schon lange latent unter ganz verschiedenen und scheinbar widerspruchsvollen Devisen vorhanden war. Mein zweiter Einwand richtet sich gegen den Terminus „Intoleranz“. Ich habe mich in der Vergangenheit schon an mehreren Studien über „prejudice“ (Vorurteil), was in der amerikanischen Sozialforschung ungefähr das Äquivalent zu „Intoleranz“ ausmacht, beteiligt und bin zunehmend zu dem Schluß gekommen, daß der Begriff zu weit gezogen und zu unbestimmt ist. Er weist nur auf Probleme hin, die dringend eines besseren Verständnisses bedürften, ohne viel zur Erklärung beizutragen. Es scheint sich nämlich um das Verständnis eines komplizierten, psychischen wie sozialen Phänomens zu handeln, das tief im Menschen und seinen Gemeinschaftsbildungen verwurzelt ist. Es sucht immer wieder von neuem Ausdruck und findet ihn so leicht, daß wir von vornherein mißtrauisch sein sollten, wenn Intoleranz nur bestimmten Gruppen oder Ideologien zugeschrieben wird.
Die Frage im Titel unseres Symposiums scheint zunächst gar keiner weiteren Beantwortung zu bedürfen; gewiß gibt es