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Dieses Buch beweist die Unrichtigkeit der durch Lombroso fast volkstümlich gemachten Genie-und-Irrsinns-Theorie sowie das Irrige der gut gemeinten Rehabilitationsversuche an diskriminierten schöpferischen Menschen, soweit es dabei um den Versuch geht, „Kranksein durch Verstehen auf das Normale zu reduzieren“ (34). Benedetti wehrt sich aufgrund seiner Beobachtungen gegen Einebnungen jeder Art. Er erfaßt psychisches Leid als ein besonderes menschliches Erleben, dessen Wirkung auf die Kunst unverkennbar ist, zumal, wenn es um die wohl intensivste Form menschlich leidvoller Erfahrung im Wahnsinn geht. „Dies ist eine dritte Einstellung zum wahnsinnigen schöpferischen Menschen, die wir vertreten“ (23). Benedetti fordert von sich und seinen Kollegen, „dem Kranksein die Möglichkeit nicht abzusprechen, Zugang zur Existenz zu sein“ (23).
Er faßt die für die wissenschaftliche Erkenntnis folgenlose Untersuchungsmethode „einer mittelmäßigen engspurigen Rationalität“ (34), die in nicht einmal pikanten Pathologen-Detekteien betrieben wurde, als Bestandteil einer Krise der Psychiatrie auf, da die Naturwissenschaften zwar die Mythologeme der geisteswissenschaftlichen Vorgänger ablehnten, nicht aber den nie bewiesenen Denkirrtum, daß „Genie und Psychopathologie komplementäre Phänomene darstellen“ (168).
Er weist andererseits auf die Gefahren der Eindimensionalität einer rein sozialpolitischen Erklärung hin (33 f.), gerät selbst selten ins andere Extrem (nur einmal an den Rand der Kausalverdrehung [104]), handhabt insgesamt die schwierige Innen-Außen-Dialektik souverän, was um so mehr anzuerkennen ist, als es für beiderlei Einseitigkeiten eine jeweils alte Tradition gibt, deren hartnäckiges Uberleben zu untersuchen selbst ein „Fall“ für die hier zu Wort kommenden Wissenschaftler wäre.
Benedetti geht von Einzeluntersuchungen an künstlerischen Individuen aus: a) manifest geisteskrank gewordene Dichter und ihre Werke im Vorstadium oder Stadium des Wahnsinns; b) geistig gesunde Dichter, die