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„Dieses Buch erhebt nicht den Anspruch, ein Ratgeber für die Verwirrten zu sein. Aber ich habe nach Möglichkeit versucht, die Art meiner eigenen Verwirrung zu schildern“ (S. 148). Laing hat eine Reihe von beunruhigenden Erfahrungen und Informationen aufgeschrieben, autobiographische, alltägliche, berufliche. Zum Beispiel: „Nach Aussage meines Freundes Ross Speck, der als Professor für Psychiatrie am Hahnemann Medical College in Philadelphia arbeitete, war 1972 in den USA der häufigste Anlaß, der schließlich zur Einlieferung in eine Nervenklinik führte — na, was meinen Sie? — das Zusammenschlagen des Fernsehgeräts!“ (S. 115). Oder: „Die Statistik für Amerika ergibt, daß dreimal so viele Frauen am Gehirn operiert worden sind wie Männer, und zwar ausschließlich von Männern“ (S. 118).
Die „Tatsachen des Lebens“ sind zunächst die sexuellen, die dem jungen Laing (wie den meisten Kindern seiner Generation und sozialen Herkunftsschicht) vorenthaltenen Informationen darüber, was Menschen machen, wenn sie ihr sexuelles Bedürfnis miteinander zu stillen suchen (S. 20). So wie der Vater dem sechzehnjährigen Sohne Laing diese „Tatsachen“ zu präsentieren ansetzte, wollte der sie nicht hören (S. 17 f.): die wirklichen Tatsachen des Lebens konnten das nicht sein, konnten so nicht „entdeckt“ werden. Dem Medizinstudenten Laing widerfuhr dieselbe Enttäuschung noch einmal. Laut Paracelsus sollte die Medizin ihren Grund in der Liebe haben (S. 99). Die Laing vermittelte Medizin aber war wesentlich Vivisektion, eine Zerstückelungswissenschaft (S. 102). Er zitiert William James' Beschreibung des medizinischen Initiationsrituals, der Zerlegung von Fröschen im Physiologiekurs (S. 103 f.). Neurophysiologie und Psychiatrie konnten die Seele des Menschen nicht finden, ignorierten sie darum. Und die faszinierende Psychoanalyse war keine „Wissenschaft“. Die Logik der naturwissenschaftlichen Medizin war nicht die des Herzens; vielmehr war der Wahnsinn Quelle ihrer Methode (S. 108): Unerkannt war der