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Von der Odyssee her gesehen — der Geschichte eines Menschen, der von Aufenthalt zu Aufenthalt, Aufbruch zu Aufbruch seinem Ziel beziehungsweise seinem Ursprung treu bleibt — stellt Stanley Kubricks „2001 — A Space Odyssey“ einen Film dar, den man als ein negatives Epos beschreiben könnte. Die Fahrt in den Weltraum hinein — von der Erde zum Mond, vom Mond zum Jupiter — hat überfremdenden, unpersönlichen Charakter, das Ziel der Fahrt ist unbestimmt-verschwommen, und die Überschriften, die den Film episch unterteilen — „Aufbruch der Menschheit“, „Aufbruch zum Jupiter“, „Jupiter und dahinter die Unendlichkeit“ —, täuschen epische Gelassenheit lediglich vor. Die festumrissenen Objekte, die dem Verlangen des Odysseus Umriß verliehen — die Insel Ithaka, die Gestalt der Penelope, die Schutzgöttin Pallas Athene —, fehlen im Film, und was ihnen zu entsprechen scheint (der Computer HAL sollte ursprünglich Athena heißen1), unterstreicht diesen Unterschied nur. Charakteristisch ist auch der ausdruckslose, banale Monolith, auf den sich das quälend starke, aber objektlose metaphysische Bedürfnis der modernen Menschheit richtet: Paradigma eines leeren, negativen Objekts, das zwar erhabene Erinnerungen wachruft — etwa an die Gesetzestafeln vom Berg Sinai —, in Wahrheit aber nur ein Bildschirm ist, auf den sich der Mensch selbst projiziert. Nimmt man den Einfall wörtlich, daß der sterbende alte Mann am Ende des Films sich in einen Embryo in der Fruchtblase zurückverwandelt, kann man „2001“ mit gleichem Recht als Phantasie über das Leben nach dem Tode wie über das Leben im Mutterleib in Anspruch nehmen.
Diese Unbestimmtheit ist kennzeichnend für einen Film, der in der Umsetzung dieser Phantasien in bewegte Bilder von äußerster Exaktheit ist. Immer haben unbelebte Gegenstände im Film eine große Rolle gespielt; wenn die Kamera einen leeren Stuhl, einen Tisch, einen Pfeiler in ihre Bewegung aufnahm, setzte sie das latente Bewegungspotential dieser