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Auf dem hinteren Teil des Schutzumschlages einer neueren Freud-Biographie (aus dem Amerikanischen übersetzt) steht das bekannte Zitat des Wiener Forschers: „Mein Leben ist nur von Interesse in seiner Beziehung zur Psychoanalyse …“ Schade, daß der Autor dieses Buches den Ausspruch nicht beherzigt hat. Seine 559 Seiten umfassende Publikation ist — gelinde gesagt — unnötig, zum Teil unverantwortlich.
Zu Sigmund Freuds Lebzeiten hat Fritz Wittels eine Biographie veröffentlicht. Der „Betroffene“ schrieb daraufhin dem Verfasser (am 18. 12. 1923): „Sie wissen zu wenig von ihrem Objekt und können darum auch die Gefahr nicht vermeiden, ihm in Ihren analytischen Bemühungen Gewalt anzutun …“ Seither sind 54 Jahre vergangen. Der Schüler Hanns Sachs hat vor mehr als einem Vierteljahrhundert eine Hymne über „Freud, Meister und Freund“ geschrieben. Zahlreiche Autoren taten es ihm gleich oder machten das Gegenteil: sie kritisierten ihn. Ernest Jones war wohl der befugteste Nachvollzieher von Leben und Werk des Begründers der Psychoanalyse. Daß er bewußt einiges verschwieg, geschah wohl vor allem aus Respekt vor den noch lebenden Nachkommen. Wertvolle, gültige Ergänzungen zu Jones' dreibändigem Werk bot danach Max Schur, der langjährige Arzt und Vertraute von Sigmund Freud und seiner Familie.
Vor nicht allzulanger Zeit erschien ein sprechender Bildband. Diese Bilder führen den Betrachter durch alle Stadien von Freuds Leben. Hinzu kommt die bisher veröffentlichte Korrespondenz Freuds.
„Warum noch ein weiteres Buch über Freud und seinen Kreis?“ fragt Paul Roazen im Vorwort des vorliegenden Buches sich und uns. Ja, warum eigentlich? Der Professor für Politik und Sozialwissenschaften an der York University in Toronto machte sich eines Tages auf und interviewte nach und nach siebzig Personen in über hundert Besprechungen. Diese Menschen hatten Freud noch gekannt oder waren Partner von ehemaligen Freud-Schülern. Roazen fand Zugang zum Jones-Archiv in London, das sich nach seinen Worten als e