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Psychoanalytische Untersuchungen zu Camus sind nicht neu. Nach dem plötzlichen Tod des Autors im Jahre 1960 erschien eine Reihe von Artikeln, insbesondere zu „L'Etranger“ und „La Chute“. Bei Costes' erschienener Arbeit handelt es sich jedoch um die erste (und bislang einzige), das Gesamtwerk des Autors umfassende psychoanalytische Untersuchung.
Ausgehend von Freud und Melanie Klein macht Costes die neuere, insbesondere französische psychoanalytische Theoriebildung zur frühkindlichen Sozialisation und damit verbunden des Narzißmus, der Depression und der Psychosen fruchtbar (stellvertretend dafür stehen Namen wie B. Grunberger, S. Nacht, P. C. Racamier, A. Green, J. Gillibert). Insofern das Werk Camus'; in seiner Genese und als gestalteter Text als Versuch der Bewältigung eines frühkindlichen Verlusts gedeutet wird, impliziert die Arbeit Costes' eine Theorie der Kreativität, wie sie u. a. von Janine Chasseguet-Smirgel oder Michel de M'Uzan unter Hervorhebung der Bedeutung früher präödipaler Phasen entwickelt worden ist. Während hier jedoch ähnlich wie bei Kris oder Greenacre letztlich versucht wird, allgemeingültige Konstanten künstlerischer Produktivität psychoanalytisch zu beschreiben, könnte Costes' Darstellung eines konkreten historisch situierbaren Beispiels einen Beitrag leisten, die unhistorische Rede von dem Känstler und der Kreativität sozialisationstheoretisch zu präzisieren und damit einen Schritt zu tun auf dem schwierigen Weg der Vermittlung der psychoanalytischen und der historisch-soziologischen Dimension des ästhetischen Produkts wie des produzierenden Subjekts.
Costes' Ansatz freilich ist vergleichsweise bescheiden bzw. einseitig. Die Arbeit stellt eine Verbindung von Textanalyse und biographischer Methode dar, wobei der Biographie, wie der Verfasser nachdrücklich betont, in der Funktion der Validierung und Bestätigung der Textanalyse sekundäre Bedeutung zukommt. Das ist methodisch sicher nicht ganz einzulösen. Zwar hat der Verfasser die biographische