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Antonin Artaud ist nicht zufällig durch sein „Theater der Grausamkeit“ bekannt geworden. Aber auch in der Begegnung mit Kunst und Literatur inszeniert Artaud sich und die Welt. Das erschwert die Lektüre dieser Texte über
van Gogh, Baudelaire, Coleridge, Lautréamont und Nerval zunächst erheblich. Wenn ich als Leser in sein Szenarium eintrete, werde ich, ohne recht zu wissen wie, zum Mitspieler gemacht. Die geheimnisvoll schönen Texte wirken auf mich zugleich anziehend und abstoßend, widersprüchlich, zerfahren, mystifizierend und unverständlich.
Kaum ein anderer Autor versteht es so nachhaltig wie Artaud, Kräfte des Unbewußten an die Oberfläche der Wahrnehmung spülen zu lassen. Beim Lesen drängen sich die eigenen Abwehrmechanismen geradezu auf. Ich „verstehe“ Artaud erst, wenn ich mir seine „Unverständlichkeit“ eingestehe. Ich richte mein Ohr auf die sinnlichen, nichtbegrifflichen Anteile des Sprechens, die Artaud zum Tönen bringt. Jetzt empfinde ich sein erregtes Gemurmel, höre seine grellen Aufschreie, spüre die Beschimpfung der allzu Selbstsicheren, also meiner selbst, leide am Bruch mit dem Diskurs der Vernünftigen. Artaud sagt über die angeblich hermetischen Gedichte Nervals, sie müßten „bei jeder Lektüre ausgespuckt werden. Dann werden ihre Hieroglyphen durchschaubar.“ Artaud spricht über Nerval — und Artaud.
Sein Irrationalismus entspringt dem Rückgang von den Konversationen der Seelen auf die Konvulsionen der Körper. An van Goghs Selbstportraits entdeckt Artaud seinen eigenen Blick. Dieser „sezierende Blick“ zielt darauf ab, „die Seele zu entkleiden, den Körper von der Seele zu befreien, den Körper des Menschen vor den Ausflüchten des Geistes bloßzulegen“.
Ein solcher Blick, eine solche Sprache denunzieren sich noch einmal selber. Denn sie verlangen einerseits die äußerste Anstrengung kritischer Distanz gegenüber den verborgenen Normierungen unseres Bewußtseins, andererseits, und im Widerspruch dazu, die Suspendierung der diskursiven Urteilsfähigkeit zugunsten