You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die deutsche Übersetzung des 1952 in New York erschienen Buches „Explorations in Art“ ist die Auswahl einer überarbeiteten Sammlung von Aufsätzen, die der Wiener Kunsthistoriker Ernst Kris seit 1932 verfaßt hat. Der deutsche Titel „Die ästhetische Illusion“ gibt treffend den leitenden Gedanken seiner von der Psychoanalyse bestimmten Kunstanschauung wieder. Kris' primäres Interesse ist nicht, und das ist für Psychoanalytiker ungewöhnlich, die ästhetische Gestalt auf Qualitäten des Unbewußten zurückzuführen, sondern er stellt sich durch alle Einzeluntersuchungen die Frage nach der psychologischen Funktion der ästhetischen Illusion, die das künstlerische Geschehen aus angemessener Distanz genießbar macht.
Auch für uns, deren Alltag mit Illusionen erfüllt ist, kann es spannend werden, etwas über unseren Umgang mit der illusionistischen Bilderwelt zu erfahren. Sind wir es doch gewöhnt, die Bilder, die uns tagtäglich durch die verschiedenen Medien ins Haus flattern, entweder einfach hinzunehmen oder ihren Sinn zu suchen, ohne darüber nachzudenken, welche Haltung wir eigentlich annehmen, wenn wir an schwierigen emotionalen Prozessen passiv oder kontemplativ Anteil nehmen.
Ernst Kris geht bei der Analyse der ästhetischen Illusion, die einen geschützten Kunstgenuß ermöglicht, nicht unhistorisch, verabsolutierend vor. Er verweist