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Dieser Aufsatzband des an der Universität Michigan wirkenden Kunstpsychologen — aus der Berliner Schule der Gestaltspsychologie hervorgegangen und 1940 in die USA emigriert — handelt von Gefahren, denen sich die Kunst unserer Tage ausgesetzt sieht. Auf der einen Seite wird Kunst materiell mißverstanden, was sich dokumentiert „im Mittelmaß der abgeschmackt realistischen Porträts und Landschaften, in den in Bronze gegossenen Schnappschüssen, die auf unseren öffentlichen Plätzen die Erinnerung an berühmte Männer hochhalten, in dem bedrückenden Materialismus offizieller kommunistischer Kunst, in den symbolischen Marmorathleten an den Fassaden unserer Regierungsgebäude, in der Formlosigkeit altmodischer Ornamente und neumodischer ‚abstrakter‘ Konglomerate aus Geometrie und Strukturen“ (S. 16). Auf der anderen Seite regiert eine formalistische Sicht, der Arnheim einräumt, sie könne eine Abwehr der eben skizzierten Misere darstellen; er zitiert in diesem Zusammenhang den Kunsthistoriker Fry, der ein Gemälde Poussains — Achill bei den Töchtern des Königs Lykomedas — als ein Gebilde aus rechtwinkligen Hohlräumen, kontrastierenden Bewegungen und dunklen Öffnungen interpretiert, ohne der Fabel (und dem Zusammenhang der Fabel mit den Formelementen des Bildes) Aufmerksamkeit zu schenken.
Von diesem ausweglosen Dilemma her versucht Arnheim zu einer neuen Besinnung auf gültige Gesetze, zu einer Neuregelung des Verhältnisses von Form und Inhalt vorzustoßen: „Gute Form zeigt sich nicht. Eine Statue, die eine Frau darstellt, ist eine Frau und nicht die Form einer Frau — das trifft auf eine römische Venus zu oder auf eine gotische Madonna, auf afrikanische Holzschnitzereien ebenso wie auf Henry Moores liegende Figuren“ (S. 17). Von dieser Auffassung her bereitet Arnheim die „moderne Tendenz zur Auflösung“ Unbehagen, weil sich in ihrem Gefolge etwas in der Kunst breitzumachen drohe, was Arnheim — in der Überschrift eines seiner Aufsätze — die „ungeformte Melancholie“ nennt. Als Beispiel