You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die 1913 erstmalig publizierte kleine Arbeit ist, wie wir aus der Tatsache ersehen, daß Freud sie in alle späteren Sammelbände aufnehmen ließ, von ihm geschätzt worden. Seine damaligen Freunde und Mitarbeiter zollten ihr hohes Lob: „Mit dem ‚Gradiva‘-Buch gehört es zum Reizvollsten, was Freud überhaupt
geschrieben hat … Die zarte Darstellung und die behutsame Art, in der Freud den Leser von einer seelischen Schicht zur nächsten bis hinab zu der tiefsten führt, geben ihr einen Reiz, der die Lektüre jedesmal wieder zu einem Genuß macht.“ So Ernest Jones in seiner Freud-Biographie.
Je mehr wir über einen Menschen, dessen Biographie Gegenstand der Forschung ist, wissen, desto gräßer wird die Chance, ihn in seinen menschlichen Maßen zu erkennen — desto kleiner damit die Gefahr der Idealisierung wie der Entwertung. Idealisierung und Entwertung — das ist es auch, was mit der Person Freuds seit den Anfängen bis heute immer wieder geschieht. Deshalb ist alles, was uns konkretes Material an die Hand gibt, Briefe, BildbäaUnde über sein Leben, über die Räume, in denen er arbeitete, in denen er mit seiner Familie lebte, Handschriften etc., begrüßenswert. Es macht biographische Interpretationen nachprüfbar.
Die Handschrift eines Mannes zu sehen, der ein großes Werk hinterlassen hat, eröffnet uns verschiedene Arten des Zugangs zu ihm. Vor allem ist es natürlich die Graphologie, die auf diesem Wege zu Erkenntnissen über den Schreiber zu gelangen hofft, die dem naiven Blick verborgen bleiben. Ferner gibt es das Interesse am kreativen Vorgang, am Wie der Entstehung des Werks.
Dieses große handschriftliche Dokument wird natürlich die Graphologen in besonderer Weise anziehen. Bereits 1908 hatte Frau Lucy Weizsäcker, eine Cousine Viktor von Weizsäckers, eine Schriftanalyse durchgeführt — zu einer Zeit, wo sie weder die Person Freuds noch eines seiner Werke kannte. 1928 schickte Viktor von Weizsäcker diese Analyse an Freud. Auf die erste Ankündigung Viktor von Weizsäckers hin, noch bevor