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Diese Buchbesprechung besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil stelle ich wesentliche Inhalte von Foucaults Abhandlung vor und versuche die Bedeutung zu umreißen, die sie für eine wie immer geartete psychoanalytische Praxis im Bereich des Strafens und Überwachens hat. An dieser Stelle kann man eine Buchbesprechung gewöhnlich enden lassen. Der Leser ist informiert und wird entscheiden können, ob er das Buch für seine eigene Arbeit nutzen kann.
Dies ist jedoch das erste Foucault-Buch, das in der Psyche besprochen wird. Insofern kann ich mich nicht auf ein Problembewußtsein bzw. auf einen Diskussions-Stand berufen, der es dem Leser ermöglicht, das Buch dieses französischsprachigen Autors im Rahmen der theoretischen und praktischen Tradition des französischen Strukturalismus zu verstehen. Hierauf nicht einzugehen, würde einem gegenwärtig in der Bundesrepublik zu beobachtenden Rezeptions-Debakel Vorschub leisten. Ich meine den jetzigen Boom französischer Texte strukturalistischer und ethnologischer Herkunft, nachdem vor 10 Jahren diese Wissenschaftsentwicklungen hier einfach ignoriert wurden 1. Mit diesem ‚Boom‘ ist eine Gefahr verbunden: die z. T. umstandslose Übernahme strukturalistischer Theoreme in einem Teil der bundesdeutschen Theoriediskussion und das z. T. naive ‚Einflippen‘ bestimmter politischer und wissenschaftlicher Kreise wie praktischer Initiativen auf die Schlußfolgerungen aus strukturalistischen Abhandlungen wie der vorliegenden.
Mit ‚Überwachen und Strafen‘ bezieht Foucault sich — gemessen an den bei uns gängigen Trennungen der Einzelwissenschaften und ihrer neidischen Behütung vor ‚Grenzüberschreitungen‘ — gegenüber seinen bisherigen Schriften wie ‚Psychologie und Geisteskrankheit‘ und ‚Wahnsinn und Gesellschaft‘ auf einen neuen Praxisbereich. Den Anschluß an das Praxisgebiet der Strafjustiz hat er jedoch bereits 1973 mit der Herausgabe des Buches ‚Der Fall