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Wie weitgehend Psychosomatische Medizin ein „Stiefkind der Medizin“ (de Boor/Mitscherlich, Psyche, 27 [1973], S. 1) geblieben ist, unterstreicht Th. von Uexküll in seinem Vorwort zu dem Werkstattbericht von Köhle, Böck und Grauhan.
Für eine Betrachtungsweise des Krankseins, die körperlichen und seelischen Faktoren gleichermaßen Rechnung zu tragen hat, gibt es heutzutage zahlreiche Lippenbekenntnisse; wenn es aber für die institutionalisierte Medizin daraus Folgerungen zu ziehen gilt, zeigt sich eine erstaunliche Lethargie. An dieser Feststellung hat bisher auch die geänderte Approbationsordnung und ihre Praxis hier wenig geändert. Es geht eben gerade nicht um das Erlernen einiger technischer Fähigkeiten zur rationelleren Behandlung einiger weniger spezieller Krankheitsbilder, die als psychosomatische Krankheiten bezeichnet worden sind. Es geht vielmehr um eine fundamentale Änderung der Betrachtungsweise des Krankseins, die, wie Weiss und English vor nahezu 30 Jahren schrieben, „nicht etwa dem Körperlichen weniger, sondern dem Seelischen mehr Beachtung schenkt“. Voraussetzung dafür ist aber ein verändertes Selbstverständnis der Ärzte und die Reflexion der Arzt-Patient-Beziehung. Am ehesten scheint dies noch erreichbar im Bereich der ärztlichen Praxis; hier haben vielfältige Aktivitäten der Weiterbildung auch gewisse Erfolge erzielt. Am resistentesten haben sich die etablierten Institutionen der stationären Krankenbehandlung erwiesen. Th. von Uexküll ist es zu danken, daß bei der Neugründung der Ulmer Universität im Department für Innere Medizin eine Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik eingerichtet wurde, in der seit 10 Jahren Therapie, Forschung und Ausbildung in psychosomatischer Medizin möglich sind.
Die Autoren des Buches hatten sich in ihrem Arbeitsprojekt die Aufgabe gestellt, „den Arbeitsansatz der klinischen Psychosomatik in die stationäre internistische Krankenversorgung zu integrieren und so die damit verbundenen organisatorischen Fragen und Proble