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Der Obertitel dieses Buches ist etwas irreführend. Es hat mit Freuds Arbeit über die „Psychopathologie des Alltagslebens“ nur wenig gemeinsam. Treffender ist der Untertitel, denn was der Autor unternimmt, ist der Versuch einer umfassenden Ökopsychologie des Alltags. Eine festgefügte Theorietradition dieser Art existiert bisher im Rahmen der akademischen Psychologie noch nicht; man kann dieses Unternehmen am ehesten mit den Ansätzen der phänomenologischen Soziologie (A. Schütz und seine Nachfolger) vergleichen. Insofern ist Boeschs Arbeit gewissermaßen eine Pionierarbeit und sollte entsprechend gelesen werden.
Auf dem Wege zu einer Ökopsychologie des Alltags kann man Skinner und Hull nicht als Galionsfigur brauchen. Boeschs theoretische Stützen sind vielmehr Vertreter „funktionaler“ Betrachtungsweisen wie Janet, James, Piaget und nicht zuletzt Freud. Denn bei aller Kritik an der Psychoanalyse (die gelegentlich daneben zielt) wird ihr implizit und explizit viel Reverenz gezollt. Das garantiert, daß das Ziel theoretischer Systematik nicht in Methodologie erstickt und am Ende nur statistische Banalitäten bzw. Tautologien übrig bleiben. Gegenstand der Ökopsychologie ist das strukturelle Verhältnis des menschlichen Subjekts zu seiner Umgebung, sein Lebensgleichgewicht im Austausch mit ihr. Boesch betrachtet den Alltag als „Handlungsbiotop“, als eine raumzeitliche Lebenswelt, in der permanente Anpassungsleistungen erbracht werden müssen. „Ausschlaggebend für die menschliche Anpassung sind … die Beziehungen, die das Ich zu seiner Umwelt bildet. Wesentlich für ein Verständnis des Handelns erscheint mir, daß der Mensch Gleichgewichte in und mit seinem ‚Handlungsfeld‘ bildet, deren Ziel es ist, jeweils … ein optimales Handlungspotential zu gewährleisten“ (S. 11). Das bedeutet, daß Subjekte danach streben, eine möglichst hohe funktionale Potentialität zu erreichen bzw. zu erhalten, um mit ihrer Hilfe Bedürfnisse und Bedingungen der Umwelt zugunsten der ersteren vermitteln zu kön