You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Horst Brücks Buch ist mehr als eine der in den letzten Jahren hundertfach erschienenen pädagogischen Fachveröffentlichungen. Es stellt — unter pschoanalytischem Gesichtspunkt — die alltägliche Schulpraxis wie auch die Lehrerausbildung radikal in Frage. Aber das Werk gibt auch Hinweise, wie man es besser machen kann. Sein Gegenstand ist nämlich ein Modell für die Anwendung psychoanalytischer Erkenntnisse durch Nichtanalytiker in der Lehrerausbildung.
Dabei war der Ausgangspunkt von Brücks Dissertation ein höchst persönlicher: das Scheitern als Lehrer, der gelernt hat, sich im Rahmen der formalen Institution an Unterrichtsplanungen zu halten. Durch die Fehlleistung eines Schülers, der ihn mit seinem Vater verwechselte, stieß Brück auf den verdrängten »privaten Anteil« im Unterricht, auf den »blinden Fleck« in der Lehrerarbeit. Hierunter versteht er, daß es Lehrerstudenten in ihrer Ausbildung kaum gelernt haben, mit dem »Personanteil« im Beziehungsgefüge Lehrer — Schüler umzugehen.
Auch die Schulreformphase der letzten zehn Jahre bezog sich vorwiegend auf inhaltliche und organisatorische Innovationen. An die pädagogisch orientierten Analytiker und deren Arbeiten für die Schulpraxis — wie z. B. Pfister, Zulliger, Bernfeld, Rehm, Bittner, Fürstenau — wurde kaum angeknüpft. So hat Hochheimer schon 1959 den Widerstand der Pädagogen gegen die Psychoanalyse beschrieben. Inzwischen hat die Psychoanalyse zwar als Sozialisationstheorie in die erziehungswissenschaftliche Diskussion Eingang gefunden, aber dabei geht es primär um die zu Erziehenden, nicht um die Erzieher oder die Lehrerausbildung. So verwundert es nicht, daß in der Reformdiskussion die Frage, »wer sich wem vermitteln soll«, verschwand. »Dies aber ist die Frage nach den wirklich handelnden Personen« (S. 10). Anknüpfend an Bernfeld und Fürstenau, die darauf hinwiesen, daß der Lehrer als Erwachsener stets mit zwei Kindern zu tun habe, dem realen Kinde vor ihm und der eigenen »verbliebenen« Kindlichkeit in ihm selbst, g