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Im Rahmen seiner Diskussion der Frage, wie die »kritischen Pendants« zu Psychologie und Soziologie, also Psychoanalyse und materialistische Geschichtsanalyse, in eine umfassende Sozialwissenschaft integriert werden können, weist Dahmer auf die Bedeutung der Psychoanalyse als Reflexionswissenschaft, d. h. als Ideologiekritik hin und zitiert Apel, der in der Marxschen Ideologiekritik »eine Psychoanalyse der menschlichen Sozialgeschichte« sieht (Dahmer, 1971, S. 63 u. S. 85). Der französische Religionssoziologe und Orientalist Maxime Rodinson, der die erste umfassende marxistische Sozialgeschichte des Islam geschrieben hat (Rodinson, 1971; vgl. dazu Tibi, 1973 b), ist im Verlauf seiner Arbeit auf folgende Schwierigkeit gestoßen: »Einer der schwerwiegenden Mängel des Marxismus, so wie er im allgemeinen praktiziert wird, besteht darin, daß er das ideologische Niveau oder Relais ungenügend beachtet« (Rodinson, 1971, S. 265).
Ein früheres Buch Rodinsons, seine Mohammed-Biographie, die vor seiner eben zitierten Sozialgeschichte des Islam in Paris erschienen ist, liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor (Rodinson, 1975). Darin versucht er, die Religionsstiftung des Islam sowohl individualpsychologisch unter Rekurs auf die Psychoanalyse als auch sozialgeschichtlich zu deuten, verzichtet aber völlig darauf, die religionskritischen Schriften Freuds heranzuziehen.
Mir geht es hier darum, Rodinsons Deutung der islamischen Religionsstiftung kritisch zu würdigen. Ich denke, Rodinsons Versuch wäre fruchtbarer gewesen, wenn er Freuds Deutung des Monotheismus herangezogen hätte. Wir wissen, daß es Freud bewußt war, welche möglichen negativen Auswirkungen für die Verbreitung der Psychoanalyse die Veröffentlichung des zentralen Abschnitts seiner Schrift »Der Mann Moses und die monotheistische Religion« implizierte, weshalb er lange damit zögerte.
Im islamischen Orient gehört die Religion zu den am strengsten gehüteten Tabus1. Die folgende Aussage Freuds, die im liberalen Europa gelten m