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Christian Dechěnes Buch wird angekündigt mit den Worten: „Verwahrlosung, die Grundstörung der weitaus meisten Straffälligen, wird hier konsequent als sozial bedingtes psychisches Krankheitsbild aufgefaßt und vorwiegend durch die Theorie der Psychoanalyse verstehbar gemacht“ (Klappentext).
Von Titel und Ankündigung her könnte Dechěnes Buch einen wichtigen Beitrag zur Systematisierung und Weiterführung der Arbeit mit Delinquenten und der Forschung auf diesem Gebiet sein. Es war also an Titel und selbstgesetztem Anspruch zu messen. Die eingehende Beschäftigung mit dem Buch zeigt leider, daß sowohl Titel wie Absichtserklärungen uneingelöst bleiben. Zurück bleibt neben der Enttäuschung über die Nichteinlösung der geweckten Erwartungen die Einschätzung, daß mit diesem Buch so ziemlich das Gegenteil von dem erreicht wird, was offenbar erreicht werden sollte.
Dechěnes Buch ist ein Beispiel für jene Bücher psychologischer, hier psychoanalytischer Provenienz, bei dem ich der Kritik von Kriminologen aus interaktionistischer bzw. der Labeling-Richtung an den Positionen der sozialisationstheoretischen Kriminologie nur Recht geben kann: Es ist ein gefährliches Buch, da es auf der theoretischen Ebene unzugänglich bleibt und auf der Ebene der Praxis zu bequemen, moralisch getönten Empfehlungen führt. Ich will diese Kritik in drei Punkten begründen.