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Von allen Wissenschaften unseres Jahrhunderts hat keine so schwer unter den 12 Jahren des »Dritten Reiches« gelitten wie die Psychoanalyse. Der Grund dafür mag vor allem darin gesucht werden, daß Hitler zu einem Zeitpunkt in Österreich einmarschierte, als Freuds Werk gerade begonnen hatte, in Wien anerkannt zu werden. Freuds 80. Geburtstag hatte die Wiener Universität mitgefeiert und ihn offiziell durch den Ordinarius für Neuro-Psychiatrie, Otto Pötzl, geehrt. 1938, unmittelbar vor der Katastrophe des »Anschlusses«, sollte sogar einem Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, Erwin Stengel, die Habilitation gewährt werden. Das Dritte Reich zerstörte die offizielle Anerkennung der Psychoanalyse zu einem Zeitpunkt, an dem diese Wissenschaft noch nicht genügend gefestigt war, um eine Überpflanzung in die Emigration zu überleben. Was dorthin mitgenommen wurde, war nicht die Psychoanalyse, wie sie in Wien entwickelt worden war mit allen ihren Anwendungen auf Erziehung und soziale Wissenschaften, sondern waren nur Gedankenkeime, die in den Köpfen der emigrierenden Freud-Schüler herangereift waren.
So entstand für eine ganze Generation der Eindruck, daß die bedeutendsten Weiterbildungen des Freudschen Werks in den Vereinigten Staaten geleistet wurden, vor allem die Ausdehnung der psychoanalytischen Ichlehren auf die akademische Psychologie durch Hartmann und seinen Kreis, die Anwendung der Psychoanalyse auf die Psychosentherapie durch Paul Federn und die Ausdehnung der Psychoanalytischen Entwicklungslehre auf die Gesellschaft und ihre Geschichte durch Erik H. Erikson. Manche andere Anwendungen der Psychoanalyse, die in den USA zur Reife kamen, müssen in diesem Rahmen unberücksichtigt bleiben.
Die Idee, eine Geschichte der Psychoanalyse und später eine Psychoanalyse der Geschichte zu erarbeiten, tauchte bereits in Wien auf, vor allem bei Hanns Sachs und Siegfried Bernfeld, aber auch in verstreuten Arbeiten anderer Psychoanalytiker. Es soll der Vollständigkeit halber