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Das kassenärztliche Gutachten eines namhaften Psychotherapeuten aus dem. Jahre 1977 schließt mit dem Rat, es solle doch eher danach getrachtet werden, die Behandlung zum Abschluß zu bringen, da es sich bei der jetzt 41jährigen Patientin schon um eine etwas ältere Person handelt. Mit anderen Worten: Viel ist da ja doch nicht mehr zu ändern, und zwar, so muß das ja wohl verstanden werden, nicht wegen der spezifischen Pathologie dieser Patientin, sondern wegen ihres Alters — eine Patientin in der »Lebensmitte«. Der Rat des Gutachters basiert wohl eher auf einem Vorurteil als auf gesicherten Erkenntnissen, denn im therapeutischen Bereich liegen wenig gut dokumentierte Erfahrungen mit der Behandlung von Patienten dieses Alters vor. Aber nicht nur hier, sondern auch in der entwicklungspsychologischen und Sozialisations-forschung war bis vor kurzem eine auffällige Lücke in der wissenschaftlichen Untersuchung des Verlaufs, der Krisen, Veränderungen und pathologischen Prozesse des mittleren Erwachsenenalters zu konstatieren. In den 60er Jahren versuchte die akademische Psychologie — für Amerika ist hier vor allem B. Neugarten (z. B. 1968) zu nennen —, diese Lücke zu schließen. Auch in Deutschland mehrten sich psychologische Untersuchungen (z. B. die von Thomä und Lehr, 1968), die sich allerdings mehr auf die Situation des alternden Menschen konzentrierten. Auf den ersten Blick scheint auch die psychoanalytische Forschung diesen Lebensabschnitt gänzlich vernachlässigt zu haben. Bei genauerer Lektüre zeigt sich jedoch, daß es zwar wenige Untersuchungen zur »Lebensmitte« — wie z. B. die von D. J. Levinson (1974), E. Jacques (1965) und R. Gould (1972) — gibt, aber eine ganze Reihe von psychoanalytischen Arbeiten, die sich mit psychischen Prozessen im mittleren Erwachsenenalter auseinandersetzen, etwa von E. H. Erikson, T. Benedek, E. Jacobson, P. Blos, L. Rangell, H. Stierlin, R. Martin und H. Prosen, um nur einige zu nennen.