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Entnazifizierung und Reeducation kamen einst aus der Neuen Welt: Exporte aus dem »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« ins Land der ehernen Unmöglichkeiten. Dreißig Jahre später ging man dort, stellvertretend für uns, auf die Suche nach den »Roots« der Judenvernichtung. »Holocaust«, das Produkt solcher Rekonstruktionsarbeit, ging durch dreißig Länder, ehe es dorthin kam, wo es sein eigentliches Publikum fand — im Vaterland der Judenvernichtung.
Vorab war zu hören, die Filmserie sei »trivial«, »sentimental«, »kitschig«, mitunter ungenau, im ganzen, als historische Darstellung, inadäquat. Wie aber hätte sich wohl eine populäre, aufwühlend ergreifende, den Traum-Kitsch des III. Reiches, seiner Herrscher und Untertanen treffende, mitunter vielleicht ungenaue, aber die Untaten der Nazis nicht leugnende, nicht beschönigende Darstellung auf die Geschichte der Bundesrepublik ausgewirkt, wäre sie rechtzeitig gekommen? Hier stellt man sich dem Grauen deutscher Geschichte allenfalls auf »gehobenem« Niveau, wenn es als Kulturfilm gerahmt ist, unterlegt mit U-Musik. Solche Weihespiele (von ewiger Schuld und Sühne) in den Tempeln der Kulturindustrie, die zu vager Andacht, sonst nichts verpflichten, hat es eher zu viele gegeben. Ihr Publikum wurde stets noch in dem bestärkt, was es im Jahrhundert der Kriege und Bürgerkriege ohnehin empfindet: in der Ohnmacht, an »den Ereignissen« etwas ändern zu können, im kurzatmigen Erschrecken, in der erbaulichen Zerknirschung, aus denen nichts folgt. Ergebung in das Unverstanden-Unvermeidliche und Erleichterung darüber, nicht mehr in solch finsteren Zeiten zu leben — darin mündete deutsche Vergangenheitsbewältigung. »Holocaust« lehrt ein ganz anderes, mögliches, in Deutschland immer wieder vergessenes Verhalten: daß man sich wehren kann, kämpfen muß. Der Film lädt zur Identifikation mit dem (jüdischen) Widerstand, mit der Résistance ein. Die Entsublimierung à la »Holocaust« ist progressiv.
Familiale De