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Aus Helm Stierlins Buch »Adolf Hitler. Familienperspektiven« (Frankfurt, 1975) war bekannt, daß der an der Brandeis University lehrende Historiker Rudolph Binion, Autor einer psychohistorischen Studie über Lou Andreas-Salome, eine neue Interpretation zum Thema Hitler vorlegen würde. Binions Resultate erschienen 1976 in New York (»Hitler among the Germans«, New York) und liegen jetzt auch in deutscher Übersetzung vor: »… »daß ihr mich gefunden habt«. Hitler und die Deutschen: eine Psychohistorie«. Das Buch wirft einige Fragen auf.
Der aggressive deutsche Titel verdeutlicht eine von Binions Intentionen: Hitler konnte nur Hitler werden aufgrund einer massiven Bereitschaft der Deutschen. Motto des Buches ist ein Zitat aus der Nürnberger Parteitagsrede Hitlers vom 13.9.1936: »Das ist das Wunder unserer Zeit, daß ihr mich gefunden habt unter so vielen Millionen! Und daß ich euch gefunden habe, das ist Deutschlands Glück!« (S. 15). Kein Zweifel, daß die Angesprochenen das auch selber so empfunden haben. Binion will weg vom Pawlowschen Modell der Geschichtsschreibung: Hier »objektive Verhältnisse«, dort die sozusagen obligaten Reflexe. Sowohl die Faschismustheorien wie die Hitler-Bücher folgen ja weitgehend diesem eigentlich vorsozialen und primitivpsychologischen Reiz-Reaktions-Schema. Die Psychohistorie geht von der Vorstellung aus, daß die Geschichte von Menschen gemacht wird und daß Menschen Motive haben. Der Paradigmawechsel von »wir sind die Verhältnisse« zu »die Verhältnisse sind wir«, der einerseits die intellektuelle Brisanz der Psychohistorie ausmacht, führt andererseits zu Fragen wie der, ob man zukünftig auch von einem historischen Paragraphen 51 wird sprechen müssen. Die stillschweigende Titelverschiebung zeigt, worum es geht: aus »Hitler among the Germans« wird im Deutschen schon »Hitler und die Deutschen«.
Wie kommt Binion mit seinem Thema zurecht? Er rekonstruiert das Verhältnis Hitlers und der Deutschen aus dem Zusammentreffen und Zusammenwirken dreier Trauma